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Emmerich: ICE erneut ausgebremst

VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 03.02.2012

Emmerich (RP). Wieder blieb ein Schnellzug zwischen Emmerich und Wesel liegen. Diesmal in Millingen. Es könnte sein, dass die Kälte der sensiblen Technik beim Überschreiten der Grenze zusetzt. Denn da wechselt auch die Stromspannung.

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Gegen 8.31 Uhr war der ICE am Ende des Bahnhofs Millingen liegen geblieben. Dass er noch am Ende des Bahnsteigs stoppte, war für die Reisegäste ein Glücksfall. Denn so konnten sie später recht problemlos in einen nachfolgenden ICE umsteigen, der in Millingen außerplanmäßig hielt, um die gestrandeten Reisenden aufzunehmen. Beim Vorfall am Dienstag in Praest hatten die Fahrgäste noch über die Gleise laufen und in Busse umsteigen müssen, weil der Zug auf offener Strecke stehen geblieben war.

90 Minuten mussten die 120 Fahrgäste auch diesmal im Zug warten, während die Temperatur in den Abteilen langsam sank. Denn mit dem Strom war auch wieder die Klimaanlage ausgefallen, und die Heizung hatte sich abgeschaltet.

Info

Früher mit Lok-Wechsel

Die unterschiedliche Stromspannung in Deutschland und den Niederlanden hat über Jahre dafür gesorgt, dass Emmerich ein Intercity-Bahnhof war.

Denn die Züge mussten in Emmerich halten, weil hier wegen des unterschiedlichen Stromnetzes die Loks getauscht werden mussten. Das ist jetzt mit neuer Technik nicht mehr nötig.

Bügel blieb unten

Ursache für den Defekt sollen Probleme mit dem Umschalten vom niederländischen auf das deutsche Stromnetz gewesen sein. In den Leitungen herrscht bekanntlich eine unterschiedliche Spannung, daher gibt es in den Oberleitungen kurz hinter der Grenze auf Emmericher Seite einen Wechsel der Stromstärke.

Bis dahin fahren die Züge auf "niederländischem Strom". Dann folgt ein Stück Oberleitung, das gar keinen Strom führt. Auf diesem Abschnitt wird der Zug quasi durch seinen Schwung weitergetragen, bis das deutsche Stromnetz erreicht wird. Ganz praktisch erfolgt dieses Umschalten durch das Herunter- und Herauffahren der Strombügel oben am Zug. Und eben das war wohl das Problem. Beim Vorfall am Dienstag waren die Bügel nicht mehr hochgegangen, also bekam der Zug keinen Strom und blieb liegen. Vermutlich war das auch gestern der Grund. Die Bahn wollte sich zu möglichen Ursachen zwar nicht äußern. Aber in Millingen am Bahnsteig war deutlich zu sehen, dass die Strombügel des ICE heruntergelassen waren und keinen Kontakt mit der Oberleitung hatten. Das Hochfahren der Bügel wird manuell vom Lokführer gesteuert.

"Es ist möglich, dass der Defekt am kalten Wetter liegt", meinte ein Bahnsprecher, man werde das genau prüfen. Noch gebe es allerdings keine auffällige Häufung solcher Fälle. Aber natürlich sei es so, dass anspruchsvolle Technik wie bei einem ICE eben auch besonders anfällig sei. Der Zug wurde von Millingen mit einer Lok nach Köln geschleppt und soll dort nun eingehend untersucht werden.

Durch den Vorfall kam es zu Verspätungen bei den Nahverkehrszügen. Auch der nachfolgende ICE hatte rund 40 Minuten Verspätung, weil er in Millingen halten musste.

Quelle: RP/url/anch


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