Emmerich: Integration kein Fremdwort
VON LUTZ KÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 29.01.2009Emmerich (RPO). Die aktuelle Diskussion um die gesellschaftliche Eingliederung von Zuwanderern nimmt nicht ab. Ein Problem, das auch die Europa-Hauptschule Emmerich betrifft. Hier liegt der Ausländeranteil bei 20 Prozent.
Ingrid Pankoke gibt es zu: Die Zahlen könnten im ersten Moment abschrecken. Denn auch die Rektorin der Emmericher Europa-Hauptschule weiß, dass von den 375 Schülern zehn Prozent türkisch/kurdischer Herkunft sind, – von denen allerdings fünf Prozent einen deutschen Pass haben. Dann wären da noch die fünf Prozent Polen, die keinerlei deutsche Sprachkenntnisse aufweisen. Sowie weitere fünf Prozent Schüler aus aller Herren Länder. Ein Grund, sein Kind nicht auf die Innenstadtschule zu schicken?
Wie an anderen Schulen auch
Ingrid Pankoke winkt ab. "Bei uns gibt es genauso viel oder wenig Gewalt und Kriminalität wie an den anderen Emmericher Schulen, was die Klassen fünf bis zehn angeht", so die erfahrene Pädagogin, die seit 40 Jahren Kinder fürs Leben fit macht. Es sei ein Vorurteil, dass durch den Ausländeranteil automatisch mehr Krawall an der Schule sei. Was vielleicht auch daran liegt, dass große Anstrengungen unternommen werden, um die Zuwanderer-Kinder zu integrieren.
Keine Bewerbung
In der Europa-Hauptschule werden derzeit 375 Schüler unterrichtet.
22 Lehrer unterrichten die Klassen, die im Schnitt 23 bis 24 Schüler stark sind.
Derzeit fehlen Leiterin Ingrid Pankoke 3,5 Lehrerstellen. Auf die letzte Ausschreibung für einen Englischlehrer, der ein weiteres beliebiges Fach unterrichten soll, ging keine einzige Bewerbung ein.
18 Polen ohne Deutsch-Kenntnisse
Wie beispielsweise die 18 Polen, die in der Regel mit ihren Eltern nach Emmerich gekommen sind, weil hier die Wohnungen billiger als in den Niederlanden sind, wo Mutter und Vater arbeiten, so Pankoke. Die Kinder sprechen kaum deutsch, sollen aber ihren Schulabschluss schaffen. "Sie werden des öfteren aus dem Unterricht herausgenommen und in Kleingruppen – teilweise gemeinsam mit deutschen Kindern – gefördert", erklärt die Schulleiterin. Auch eine ehemalige Kollegin hilft den jungen Polen bei der Sprache, dem wichtigsten Mittel zur Integration.
Ein Mittel, das bei den 40 Kindern mit kurdisch-türkischem Hintergrund schon gewirkt hat. Viele von ihnen schafften den Realschulabschluss. "Hier gibt es kein gravierendes Problem", so Pankoke.
Kein Wunder also, dass sich auch die Kinder mit Migrationshintergrund fleißig an schulischen Angeboten aus dem Bereich Theater, Tanz oder Musical inklusive öffentlicher Auftritte beteiligen. Pankoke: "Diese Persönlichkeitsentwicklung ist gerade für Hauptschüler enorm wichtig."
Trotz der vielen Bemühungen: Die Vermittlung einer Lehrstelle fällt vielen schwer – ob mit oder ohne Migrationshintegrund. "Hier fehlt es am nötigen Realismus – auch bei den Eltern", übt die Rektorin Kritik an einem Teil ihrer "Schäfchen". Denn der Hauptschul-Abschluss befähige in erster Linie dazu, einen soliden Handwerksberuf zu erlernen. Die Bewerbung als Banker sei aussichtslos, werde aber immer wieder verschickt.
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