Emmerich: Kampf gegen den Verfall
VON ANNA KERKHOF - zuletzt aktualisiert: 16.04.2007Emmerich (RPO). Große Werte gehen in den Wohnzimmern der Bevölkerung schlichtweg verloren. Der Grund: Kaum einer achtet genügend auf den Erhalt der Kunstwerke. Doch es geht auch anders.
Die Informationsveranstaltung zum Thema Papier-Restaurierung in der Kunsthandlung und Galerie Herbert Kappelhoff war ein voller Erfolg. Kunstliebhaber hatten die Möglichkeit, jegliche Art von Kunst auf Papier der niederländischen Diplom-Papierrestauratorin Marieke Kraan zu einer unverbindlichen Begutachtung vorzulegen. Restaurieren heißt nicht neu machen. Die tägliche Herausforderung der Restauratoren ist die Behebung von Schäden, die durch falsche Aufbewahrung und unsachgemäße Behandlung von Kunstobjekten entstehen. Wasserschäden, farbliche Fehlstellen, Stockflecken und Vergilbungen werden durch Retuschieren und Nachkolorieren behandelt, Risse und Fehlstellen mit Papier angegossen. Alles ist reine Handarbeit - und jeder Handgriff muss sitzen. „Das Thema Papier-Restaurierung ist den meisten Menschen nicht bewusst“, erzählt Galerieinhaber Herbert Kappelhoff, „Es ist statistisch erwiesen, dass große Werte verloren gehen, weil einfach nicht auf den Zustand der Kunst geachtet wird“ Kappelhoff und Kraan wollen gemeinsam vor Verfall bewahren und die Schönheit der Kunst zur Geltung bringen. Seit etwa eineinhalb Jahren arbeiten sie eng zusammen. „Es ist äußerst nützlich eine gute Restauratorin vor der Haustür zu haben“, sagt Kappelhoff über Kraan, deren Atelier Kunst Op Papier sich in Arnheim befindet. Wichtiger noch als Schaden zu beheben ist allerdings, vor Schäden zu bewahren. Sie arbeiten permanent am Erhalt der Kunst. Dazu diente auch die Informationsveranstaltung in der Kunsthandlung. Marieke Kraan nahm die Kunstwerke zahlreicher Kunstliebhaber in Augenschein und gab den Eigentümern Auskunft über deren Zustand. Können die Schäden behoben werden oder sind sie selbst für die geschickten Hände der Restauratorin irreparabel? Kraans Begutachtung war unverbindlich, vor allem erteilte sie gute Ratschläge zur Aufbewahrung der Werke. Die Resonanz zu dieser Veranstaltung ist äußerst positiv.
Ein Kunde der Kunsthandlung zeigt Kraan eine Lithographie: sie ist vergilbt und helle Streifen zeichnen sich ab. Kraan und Kappelhoff lösen das Bild aus dem Rahmen, dabei stellt sich heraus, dass bei einer früheren Rahmung falsches Material verwendet wurde und Klebstoff für die Streifen verantwortlich ist. „Ganzbehandlung oder Passepartout“ schlägt Kraan dem Eigentümer vor, der sich sofort dafür entscheidet, das ganze Bild aufhellen zu lassen, da ein neuer Rahmen die Streifen nur teilweise abdecken und auch gegen die Vergilbungen nichts ausrichten kann. „Schöner wird es auf jeden Fall“, lächelt Kappelhoff.
Kein Sonnenlicht
Tipps zur Pflege der Kunstwerke: Ein sicherer Standort ist wichtig. Ein stabiler Haken gehört in die Wand, Aufhänger oder Ringschrauben in die Rückseite des Zierrahmens.
Um einem Feuchtigkeitsstau vorzubeugen muss für ausreichende Luftzirkulation und ein möglichst gleich bleibendes Klima im Raum gesorgt werden. Kunstwerke dürfen keiner direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt werden. Ein Bild darf niemals feucht gereinigt werden. Reparaturen sollten nur vom Fachmann vorgenommen werden.
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