Emmerich: Kein Strom: Frau überfallen
VON LUTZ KÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 13.10.2009Emmerich (RPO). Der Stromausfall machte es möglich: Gaststätten und Privathaushalte griffen auf die gute alte Kerze zurück. Die Notversorgung am Spital funktionierte. Doch es gab auch einen Überfall auf eine junge Frau am Großen Löwen.
Auch wenn viele Haushalte am Sonntagabend im Dunklen saßen: Die Rettungssysteme durch die Feuerwehr wie im Seniorenstift Elten (die RP berichtete) oder durch eigene Generatoren wie am St. Willibrord-Spital leisteten ganze Arbeit. Gleichzeitig konnte die Gäste an der Promenade kein Essen mehr zu bestellen. Denn die Gasherde funktionieren nicht, wenn nicht auch die elektrische Lüftung eingestellt werden kann.
Wie berichtet, war gegen 20.30 Uhr der Strom in Elten, Hüthum und Teilen der Innenstadt ausgefallen. Hüthum ging nach einer Stunde wieder ans Netz, Elten und die Innenstadt nach zwei Stunden. Grund für den Ausfall war ein Blitz, der in den Trafo in Hüthum eingeschlagen hatte.
Überstunden
Auch die Versicherungsagenturen in Emmerich mussten gestern wegen des Stromausfalls Überstunden einlegen.
Dabei ging es vor allem um Überspannungsschäden, die an TV, Computer, aber auch an den Antriebsmotoren für Rollladen entstanden sein könnten.
Einzig wirklich negativer Höhepunkt des Stromausfalls: Gegen 21 Uhr wurde eine 23-jährige Emmericherin am Großen Löwen Opfer von fünf Jugendlichen zwischen 17 und 20 Jahren. Der Haupttäter sprach die junge Frau im Schutz der Dunkelheit an. Dann berührte er sie unsittlich. Laut Polizei schubste das Opfer daraufhin den Jugendlichen weg und schrie ihn an.
Als der Täter dann auch noch ihre Tasche gewaltsam entreißen wollte, schlug die Frau beherzt mit dem Regenschirm auf ihren Angreifer ein. Folge: Der Haupttäter und seine vier Kumpanen, die akzentfrei deutsch sprachen und ein südländisches Aussehen haben sollten, flüchteten Richtung Kleiner Löwe. Zeugen melden sich bei der Polizei unter Telefon 0 28 22 - 78 30.
Alles glatt lief dagegen am Emmericher Krankenhaus ab. Um 20.32 Uhr sprangen dort die Dieselgeneratoren an, um die Elektrik lebenserhaltender Maschinen zu übernehmen. "Bis 21.42 Uhr dauerte der Einsatz", erklärte Horst Mierzwa. Der Technische Leiter des Spitals weiß, dass alles Systeme innerhalb von 15 Sekunden angelaufen sein müssen. "Alles hat reibungslos geklappt", so Mierzwa zufrieden, der aber auch jeden Monat einen entsprechenden Test machen lässt.
Weniger glatt liefen die Reparaturen im Rathaus ab. Nur teilweise konnten die Computer genutzt werden. Telefone waren noch gestern Nachmittag nicht erreichbar.
Zufrieden waren teilweise auch die Wirte an der Promenade und in der Innenstadt. "Es war gemütlich bei Kerzenschein", so Horst Welling von der Gaststätten "Zum Raben". Draußen auf der Terrasse seien sogar kleine Laternen zum Einsatz gekommen, weil Gäste das Spektakel am Himmel beobachten wollten.
Von einer tollen Atmosphäre berichtet auch Franz Feyen vom Restaurant "Franz", wo es wie an allen andern Gaststätten auf einmal schwarz wie die Nacht war. "Es war eine schöne Atmosphäre – wie bei Leuten, die in der Not zusammenrücken und sich gegenseitig helfen", so der Betreiber. Ältere Gäste seien sogar von anderen Besuchern mit der Kerze in der Hand zur Toilette gebracht worden.
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