Emmerich: Kundus: Trauer über dem Lager
zuletzt aktualisiert: 22.10.2008Emmerich (RPO). Am Montagmittag starben zwei deutsche Soldaten in Kundus (Nord-Afghanistan). Einer, der die Trauer-Situation vor Ort genau kennt, ist der evangelische Militärpfarrer Sascha Herrmann. Der Emmericher mit Dienstsitz in der Weseler Schill-Kaserne war im Mai 2007 dabei, als der Trauer-Appell für drei Soldaten durchgeführt wurde, die bei einem Anschlag der Taliban auf einem Teemarkt ums Leben kamen. RP-Redakteur Lutz Küppers sprach mit dem Geistlichen, der auch die Soldaten der Kalkarer Kaserne betreut.
Die Lage in Afghanistan wird nicht gerade ungefährlicher.
Hermann: Das stimmt: Die Zahl der Anschläge nimmt zu. Da kommt natürlich auch das Erlebte vom Mai vergangenen Jahres wieder hoch.
Schildern Sie doch mal Ihre Erinnerungen.
Hermann: Es geschah bei der Vorerkundung zu meinem zweiten Afghanistan-Einsatz. Als ich mit Kameraden im Feldlager in Kundus per Hubschrauber ankam, wurden die Särge der drei Kameraden für den Trauerappell vorbereitet. An diesem Appell nahmen wir mit teil.
Was war das für ein Gefühl?
Hermann: Die Trauer lag wie eine Decke über dem Lager. Man brauchte als Seelsorger nur umherzulaufen – schon wurde man von den Kameraden angesprochen. Sehr oft wurde die Sinnfrage gestellt: „Wir tun doch hier Gutes, bauen ein zerstörtes Land wieder auf. Warum passiert so etwas?“ Ich versuche dann, ihnen zuzuhören und für etwas Ruhe in der Seele zu sorgen.
Das Mandat für den Bundeswehr-Einsatz am Hindukusch ist ja erst vor zwei Wochen verlängert worden. Eine richtige Entscheidung angesichts der zunehmenden Gefährdung für unsere Soldaten?
Herrmann: In jedem Fall. Es muss weiter gehen. Wir leisten dort gute Aufbauarbeit, um das Land zu befrieden. Das wird von der Bevölkerung geschätzt, was ich aus eigener Erfahrung immer wieder erlebt habe. Man sollte allerdings mal über eine Lösung für das benachbarte Pakistan nachdenken, wohin sich die Taliban immer wieder zurückziehen können. Außerdem rekrutieren sie ihren Nachwuchs aus der Armut der dortigen Menschen. Das müssen wir ändern.
Am Mittwoch referiert Sascha Herrmann in der Gaststätte „Zum Fritz“, Baustraße, über seine Arbeit als Seelsorger in Afghanistan. Die Veranstaltung der Emmericher FDP, zu der jeder willkommen ist, beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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