Rees: Liebe auf den zweiten Blick
VON MONIKA HARTJES - zuletzt aktualisiert: 10.07.2007Rees (RPO). Jetzt wurde die Dalí-Ausstellung in Rees eröffnet. Bei vielen Werken des Spaniers muss man ganz genau hinschauen. Nicht selten verbirgt sich ein Bild im Bild. Für viele Besucher des Bürgerhauses ist das besonders faszinierend.
„Im Alter von sechs Jahren wollte ich Köchin werden, mit sieben Napoléon. Und mein Ehrgeiz ist seither stetig gewachsen ebenso wie mein Größenwahn“, sagte Salvador Dalí 1942 über sich.
Ob Genie oder Wahn: Dalí ist einer der größten Maler des 20. Jahrhunderts. Mehr als 400 seiner Werke, vorwiegend Bilder, aber auch fünf Skulpturen, Schmuck, ein Wandteppich, eigene Schriften und Filmsegmente, werden auf einer Ausstellung im Reeser Bürgerhaus gezeigt. Die Erste stellvertretende Bürgermeisterin Mariehilde Henning freute sich über dieses „außergewöhnliche Ereignis“. „Dalí und seine Bilder waren zu Lebzeiten schon so bekannt, dass er wie ein großer Star gefeiert wurde“, so Frau Henning zur Ausstellungseröffnung. „Er war ein Genie.“
Sie dankte Georg Friedrichs, dem Geschäftsführer der Firma „ExtraMax“, die die Ausstellung organisiert, mit einem Buch über Rees. Friedrichs gab eine kurze Einführung in die Ausstellung. „Die Skulpturen sind nahezu unbekannt, sie wurden bisher erst drei- oder viermal in Deutschland gezeigt“, sagte er. Dazu seien etliche Exponate in der Ausstellung zu sehen. „Herzstück ist das Werk „Caprichos de Goya de Salvador Dalí“, so Friedrichs. Zwischen 1973 und 1977 hat sich Dali mit den 80 „Caprichos“ von Goya auseinandergesetzt und mittels Kaltnadel und Aquatinta mit irrationalen, erotischen Elementen verarbeitet. Seine 80 Bilder stehen in der Ausstellung auf der Bühne des Bürgerhauses den Werken Goyas gegenüber.
Viele Besucher zeigten sich von der Kunst Dalís beeindruckt. So wie Melanie Siebers. Sie studiert in Hannover für das Lehramt Deutsch und Kunst und fand besonders die Skulpturen faszinierend. So stellt eine auf den ersten Blick einen Schwan dar, von hinten sieht sie aus wie ein Höllenhund, dreht man sie um, erscheint ein Elefantenkopf.
„Man ist sprachlos, wenn man erkennt, was in den Bildern steckt“, sagte Amelie Graef, die Kunstgeschichte in Münster studiert. Sie wird in der nächsten Woche die Führungen übernehmen und hat im Vorfeld viel über den Künstler und die Mehrdeutigkeit seiner Werke erfahren. „Man braucht schon eine Führung, um das alles zu entdecken“, empfahl sie.
Ein Lieblingsbild haben sich der siebenjährige Ramon Groot-Severt und seine Schwester Ellen, fünf Jahre alt, ausgesucht. Auf dem Bild sieht man Dalís Muse Gala, wie sie aus dem Fenster schaut. „Mit Schlitzaugen sieht man aber auch einen Mann“, erklärte Ellen. Und tatsächlich – mit zugekniffenen Augen erscheint der Kopf Abraham Lincolns.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



