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Emmerich: Mahnbriefe an Trauernde

VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 25.07.2008

Emmerich (RPO). Die Polizei warnt vor einer neuen Betrugsmasche. Per Post kommen fingierte Rechnungen an kürzlich Verstorbene. Auch in Mehr hat es bereits zwei dieser Fälle gegeben.

MEHR Margret Schneiders ist immer noch aufgebracht und hat für die ganze Sache eigentlich nur ein Wort übrig. „Abzocke“, sagt die Frau aus Mehr und zeigt den Brief, den ihre ganze Familie auf die Palme bringt. Das Schreiben eines Labors Dr. Engelhardt genetic research aus Köln war am Dienstag im Briefkasten gewesen. Adressiert war das Schreiben an die verstorbene Mutter von Margret Schneiders.

Die Tochter wurde bereits stutzig als sie im Adressfenster lesen konnte: 2. Mahnung. „Wir haben den Brief sofort geöffnet und waren entsetzt“, erzählt Margret Schneiders. In dem Schreiben wird ihre verstorbene Mutter aufgefordert, eine fällige Rechnung für eine DNA-Analyse zu bezahlen - 376,30 Euro (plus 5 Euro Mahnkosten, plus 5 Euro „Adressverifizierung“). Margret Schneiders Ehemann rief direkt die auf dem Brief angegebene Nummer an. Dort wollte er wissen, welche Analyse denn seine Schwiegermutter in Auftrag gegeben haben soll. Statt eine Antwort zu bekommen, sei er weiterverbunden worden, habe auch da keine Auskunft bekommen. Schließlich habe man ihn gebeten, die Nummer zu hinterlassen, man werde sich melden. Ein Anruf kam nie. Die Versuche der RP, gestern Kontakt mit der Nummer aufzunehmen, schlugen fehl (siehe Kasten).

Für Margret Schneiders steht fest. „Wir werden nichts bezahlen“, sagt sie und hat die Kripo eingeschaltet und Anzeige erstattet. Sie kann nur den Kopf schütteln, wenn sie über die ganze Sache nachdenkt. „Meine Mutter war schwerst pflegebedürftig und wurde rund um die Uhr betreut. Sie wäre gar nicht in der Lage gewesen, eine solche Analyse in Auftrag zu geben.“ Vor sieben Wochen war sie gestorben. Margret Schneiders vermutet, dass die Firma die Todesanzeigen durchsieht und gezielt die Briefe rausschickt.

Inzwischen steht fest, dass es sich um keinen Einzelfall handelt. Auch eine andere Familie in Mehr bekam einen solchen Brief. Und noch weitere Anzeigen gingen bei der Polizei ein. Die geht ebenfalls davon aus, dass die Opfer über Todesanzeigen ausgesucht werden. Offenbar spekuliere die Firma darauf, dass die mit der Trauer um den Verstorbenen belasteten Angehörigen die Beiträge schnell begleichen, um Ärger aus dem Weg zu gehen. Die Rechnungen sollte man auf keinen Fall bezahlen.

Auch die Verbraucherberatung warnt vor diesen Briefen. Betroffenen wird geraten, die Polizei zu informieren. (Interview)

Quelle: RP

 
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