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Rees/Bocholt: Missbrauchs-Vorwürfe auch am Kapuziner-Internat

zuletzt aktualisiert: 22.03.2010 - 12:35

Rees/Bocholt (RPO). Auch im ehemaligen Kapuziner-Internat in Bocholt sollen Kinder sexuell missbraucht worden sein. Der Provinzleitung der Rheinisch-Westfälischen Kapuzinerprovinz liegen Hinweise auf Missbrauchsfälle am ehemaligen Kapuziner-Internat in Bocholt vor.

Dies teilte der Leiter der Ordensprovinz, Pater Christophorus Goedereis, über seine Pressestelle mit. Die Anschuldigungen beziehen sich auf Vorgänge, die etwa 40 Jahre zurück liegen sollen. Zwei mutmaßliche Opfer haben sich mittlerweile gemeldet. Sie sollen damals zwölf oder 13 Jahre alt gewesen sein. Ob es noch weitere Opfer oder Vorfälle gegeben hat, ist der Ordensleitung nicht bekannt, da diese auch erst seit wenigen Tagen von den Anschuldigungen weiß.

Träger ist Bistum Münster

Das Internat der Kapuziner war bis 1980 dem St. Josef Gymnasium angeschlossen. Dieses befand sich bis 1992 in Trägerschaft der Kapuziner, heutiger Schulträger ist das Bistum Münster. Man werde alle Hinweise ernst nehmen, so Direktor Hans-Dieter Kohnen, der seit Tagen mit Pater Christophorus im Kontakt ist.

Die Rheinisch-Westfälische Kapuzinerprovinz, die ganz Deutschland ohne Bayern umfasst, hat sich bereits im Jahr 2002 auf alle seither von der Deutschen Bischofskonferenz und von der Deutschen Ordensoberenkonferenz verabschiedeten Leitlinien „Zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger” verpflichtet und neutrale Ansprechpartner für etwaige Fälle ernannt. Auch ermutigen die Kapuziner über ihre deutschsprachige Internetseite etwaige Opfer von Übergriffen und Missbrauch durch Ordensmitglieder, sich zu melden, damit der Orden transparent und juristisch entschieden mit entsprechenden Vorwürfen umgehen und damit möglichen Opfern geholfen werden kann. „Wird ein noch lebender Mitbruder verdächtigt oder angeklagt, wird er umgehend durch den Provinzialminister mit den Vorwürfen konfrontiert”, so der Orden in einer Pressemitteilung. Stellen sich die Verdachtsmomente als stichhaltig dar, werde der Mitbruder sofort von seinem Dienst entpflichtet, bis die Dinge geklärt sind. Darüber hinaus hat sich auch die Provinzleitung der Kapuziner der Praxis angeschlossen, alle ernst zu nehmenden Hinweise einer Staatsanwaltschaft anzuzeigen.

Staatsanwaltschaft informiert

Auch bei den aktuellen Vorwürfen sei eine deutsche Staatsanwaltschaft informiert worden, so der Provinzial. Der Beschuldigte wurde vom Dienst suspendiert. Man könne allerdings vor Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen keine Details nennen, um die Untersuchung nicht zu behindern. Die Kapuziner bieten jedoch selbst für den Fall, dass eine Tat verjährt wäre und die Staatsanwaltschaft nicht mehr ermitteln würde, möglichen Opfern an, ihre Erlebnisse juristisch zu Protokoll zu geben. Sobald die Aussagen der Betroffenen vorlägen, würde man klären, inwiefern der Orden eine Hilfestellung für die Opfer geben kann. Selbstverständlich werde dabei allen Beteiligten Diskretion zugesichert, so Pater Christophorus.

Quelle: RP

 
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