Rees: Mordfall: Ist ein Täter noch frei ?
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 05.12.2009Rees (RPO). Vor der entscheidenden Phase des Prozesses um den Mord an der jungen Kurdin Gülsüm bringt der Anwalt des angeklagten Russen eine neue These ins Spiel. Der Bruder soll einen Mittäter haben, der noch gar nicht gefasst ist.
So geht es weiter
Die Plädoyers im Mordprozess Gülsüm (Foto) sollen am Donnerstag gehalten werden.
Das Urteil wird eine Woche darauf erwartet.
Gab es im Mordfall Gülsüm doch noch den großen Unbekannten, der noch auf freiem Fuß ist? Für Rechtsanwalt Robert Thielmann gibt es durchaus Hinweis auf diese These. Der Anwalt des Russen Miro, der eigentlich Sahil aus Aserbeidschan ist, sieht nämlich noch eine Reihe von Ungereimtheiten, die nicht geklärt seien.
Er geht davon aus, dass noch weitere Familienmitglieder in die Tat verwickelt sind. "Mein Mandant macht am Tatort eigentlich gar keinen Sinn. Es ging da um eine Familiensache, warum sollte man da einen Bekannten mitnehmen?", fragt er. Zudem habe der Bruder nach der Tat alle seine Kleidungsstücke vernichtet. Wenn Miro wirklich dabei gewesen wäre, hätte er dann nicht auch seine Jacke verschwinden lassen? Sollte Miro den ominösen Knopf wirklich am Tatort verloren haben, hätte doch auch Blut an der Jacke gefunden werden müssen. "Aber da war nichts." Sein Mandant sage, er sei nicht vor Ort gewesen. "Daher werde ich auch auf Freispruch plädieren."
"Es war kein Einzeltäter"
"Keiner von uns weiß, was wirklich passiert ist. Vielleicht wird man das auch nie erfahren", sagt Thielmann. Er ist aber überzeugt davon, dass der Bruder die Tat nicht alleine begangen hat. Dafür spreche schon die tatsache, dass Gülsüm mit mehreren Knüppeln erschlagen wurde. "Welchen Sinn würde es für einen Einzeltäter machen, das Tatwerkzeug zu wechseln?", fragt er.
Für mehrere Täter sprechen aus seiner Sicht auch die massiven Verletzungen. Der Gutachter hatte bekanntlich im Prozess davon gesprochen, dass er solche massiven Verletzungen nur bei Opfern von Zugunglücken erlebt hatte. Ein Täter alleine hätte schon gar nicht die körperliche Kraft, um bis zu 20 Schläge mit solcher Wucht auszuführen.
Aus Thielmanns Sicht sei ein Verwandter der Familie weiterhin verdächtig, der bereits im Zuge der Ermittlungen ins Visier der Fahnder geraten war. Damals war er als Beschuldigter vernommen worden. Der Verdacht war dann fallen gelassen worden, als der Bruder das Geständnis ablegte. Für den Anwalt des Russen ist dieser Verwandte durchaus ein denkbarer Mittäter. "Der Mord war eine Familientat, da passt mein Mandant als Täter einfach gar nichts in Bild. Er hat auch kein Motiv", steht für ihn fest. Die Verhandlung vor dem Landgericht Kleve wird am Donnerstag fortgesetzt. Dann wird es auch die Plädoyers geben. Wie berichtet, will der Anwalt des angeklagten Vaters Freispruch fordern. Der Mandant von Gülsüms Bruder will allerdings nicht auf Freispruch plädieren.
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