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Rees: "Nie ans Aufhören gedacht"

zuletzt aktualisiert: 22.07.2010

Rees (RPO). Extremsportler Gregor Komescher hat sein vorzeitiges Aus beim "Race Across America" mittlerweile verwunden. Einen neuen Anlauf im nächsten Jahr kann sich der Halderner durchaus vorstellen.

Das Fahrrad fest im Blick: Extremsportler Gregor Komescher.   Foto: RPO
Das Fahrrad fest im Blick: Extremsportler Gregor Komescher. Foto: RPO

Fast 5000 Kilometer mit dem Fahrrad quer durch die USA in maximal zwölf Tagen: So lauten die Regeln beim "Race Across America" (RAAM). Viele Leser der RP verfolgten im Juni mit Spannung, wie sich der Halderner Ausdauersportler Gregor Komescher beim härtesten Radrennen der Welt schlug. Auf die großen Erfolge der ersten Etappen folgte nach acht Tagen und 3000 Kilometern das vorzeitige Aus. Im Interview mit RP-Mitarbeiter Michael Scholten blickt Komescher auf das größte Sportabenteuer seines Lebens zurück.

Hat sich das "Race Across America" rückblickend für Sie gelohnt?

Unterwegs in Arizona: Hier ist der Halderner noch in der Spur. Foto: RPO

Gregor Komescher: Auf jeden Fall. Es war eine einzigartige Erfahrung, meine eigenen Grenzen kennenzulernen und sie manchmal auch zu überschreiten. Andere Teilnehmer hatten mir im Vorfeld von den Strapazen und Gefahren erzählt, aber man muss das hautnah miterleben.

Worin liegt die besondere Härte des Rennens?

Komescher Jeder der Teilnehmer mag das anders auffassen, aber für mich waren es die unendliche Weite in der Wüste, die Hitze, die Temperaturunterschiede zwischen der Wüste und den Rocky Mountains, die monotonen Landschaften, die extremen Anstiege und der Mangel an Schlaf. Wer regelmäßig Fahrrad fährt, wird vielleicht nachvollziehen können, was es heißt, mehrere Tage am Stück im Sattel zu sitzen.

Wie war die Zusammenarbeit mit dem Team?

Komescher So ein Rennen kann man nur mit einem gutem Team überstehen. Die Begleiter haben mich in jeder Hinsicht unterstützt und auch jeden Sonderwunsch erfüllt. Mal musste mitten in der Wüste ein Burger mit Pommes organisiert werden, mal ein bequemerer Sattel, obwohl es weit und breit keinen Fahrradladen gab. Auch für die Fahrer der beiden Begleitfahrzeuge, Jörg Vogel, Reiner Stratmann und Werner Helmes aus Rees, waren das besonders harte Tage. Sie mussten sich ja meinem Schlafrhythmus anpassen, egal ob es gerade Tag oder Nacht war. Ich danke allen für ihren super Job.

In welchem Moment ahnten Sie, dass Sie nicht im Ziel ankommen werden?

Komescher Eigentlich erst, als mein Arzt Bernhard Hasenbalg anordnete, dass jetzt aus Sicherheitsgründen Schluss ist. Das war nach fast 3000 Kilometern. Vorher hatte ich nie ans Aufhören gedacht. Körperlich war ich in Topform, aber die pure Übermüdung hat mich zum Aufhören gezwungen.

Wie schwer war der Moment, in dem feststand, dass das RAAM für Sie beendet ist?

Komescher Das tat verdammt weh. Weil ich kurz davor stand, meinen Lebenstraum zu erfüllen. Ich habe mehr als zwei Wochen gebraucht, um halbwegs darüber hinwegzukommen. Der Gedanke, versagt zu haben, kam immer wieder hoch. Doch jetzt weiß ich, dass ich nicht versagt habe, sondern nur die falsche Strategie hatte.

Was würden Sie im Falle einer Wiederholung anders machen?

Komescher Ich würde in den ersten fünf Tagen tagsüber kürzere Pausen machen und dadurch das Zeitkonto aufbauen, damit ich bei drohender Gefahr von Sekundenschlaf auch mal eine Schlafpause von bis zu acht Stunden einlegen kann.

Werden Sie noch mal antreten?

Komescher Das würde ich sehr gern tun. Am liebsten schon im nächsten Jahr. Aber das hängt davon ab, ob ich Sponsoren finde. Die materiellen Sponsoren, die mich für das Rennen ausgestattet haben, wollen mich auch 2011 wieder unterstützen. Aber um Fahrzeuge, Flüge oder Spesen fürs Team zahlen zu können, bin ich auch auf finanzielle Sponsoren angewiesen. Ich würde mich freuen, wenn Interessenten über meine Homepage www.gregorkomescher.de Kontakt zu mir aufnehmen würden.

Sie haben auf Ihrer Homepage ein Tagebuch geführt. Gab es Reaktionen aus dem Reeser Raum?

Komescher Ich war erstaunt, wie viele Leute das Tagebuch oder auch die Berichte in der Zeitung verfolgt haben. Besonders beeindruckt haben mich die aufmunternden Mails und Anrufe, nachdem ich das Rennen beenden musste. So etwas gibt mir viel Auftrieb.

Warum tun sich Sportler überhaupt die Qualen des RAAM an, bei dem es nicht mal Geld zu gewinnen gibt?

Komescher Es ist eine Bestätigung für sich selbst. Die Verwirklichung eines Traums. Man will eine Herausforderung bewältigen, für die der Mensch eigentlich nicht geschaffen ist.

Quelle: RP

 
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