Rees: Pfarrer wehrt sich
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 20.04.2010 - 12:59Rees (RPO). In einem recht eindeutigen Brief wehrt sich der frühere Pastor von Millingen und Haldern gegen die Vorwürfe. Er übt in dem Schreiben auch Kritik am Bistum.
"Nach den Irritationen über meinen Weggang möchte ich jetzt Stellung beziehen", beschreibt er seine Beweggründe für den fünfseitigen Brief, den er auch an Bischof Felix Genn und Domvikar Hans-Bernd Köppen geschickt hat.
Wie berichtet, hatte der Geistliche auf seine Pfarrstelle verzichtet, weil es Vorwürfe von "unangemessenem Verhalten" gegenüber einem Kind gab.
Die Vorwürfe seien eine Retourkutsche seiner Haushälterin gewesen, die mehr Geld haben wollte. Die Zusammenarbeit sei zunächst gut angelaufen. Allerdings sei es öfter zu Streitigkeiten gekommen, weil die Frau mit ihrem Gehalt nicht zufrieden war. Gleichzeitig sei es zu Disputen wegen der Erziehung gekommen. Die Frau habe bemerkt, dass ihre Tochter mit dem Geistlichen sehr gut zurechtkam. Wenn es Streit gab, hätte die Haushälterin Kontaktsperre verhängt.
Ketteler vertritt Pastor
Der Pfarrer hat sich auch anwaltliche Unterstützung genommen. Er wird vom früheren Reeser Bürgermeister Dr. Bruno Ketteler (Foto) vertreten.
"Ich bin überzeugt, dass es gelingt, den guten Ruf des Pfarrers wiederherzustellen", sagt Ketteler, der von einer "überzogenen Reaktion des Bistums" spricht.
"Dr. Ketteler soll mich vor weiteren taktischen Fehlern bewahren", so der Pastor, der sich nicht sicher ist, ob er Anzeige wegen Verleumdung und Rufmord gegen die Haushälterin stellen soll.
"Als ich merkte, dass ich mich finanziell mit dem Gehalt meiner Haushälterin übernommen hatte, teilte ich ihr mit, dass wir über das Gehalt noch einmal sprechen müssten", so der Pfarrer. Danach sei es zu einem heftigen Streit gekommen. Der sei darin gegipfelt, dass die Frau gedroht ihm habe: "Dann mache ich dir dein Leben kaputt."
Zwei Tage später habe er dann einen Anruf aus Münster erhalten mit einer Vorladung. Worum es ging, habe man ihm nicht gesagt. In Münster sei er gleich zum "Verhör" vor die Kommission für sexuellen Missbrauch geführt worden. Das Gespräch habe sich über Stunden hingezogen. "Ich hatte sehr oft das Gefühl, dass es nicht um das Herausfinden meiner Schuld oder Unschuld, sondern von vorneherein um die Suche nach den Motiven für meine angeblichen Taten ging", so der Pastor in seinem Brief.
Ihm sei allerdings auch gesagt worden, dass das Protokoll des Verhörs an die Staatsanwaltschaft weitergeben worden sei. Der Staatsanwalt habe über den Vorwurf nur gelacht.
Er habe auf die Rückkehr in die Gemeinde schweren Herzens verzichtet, weil ihm dies zu Beginn des Gesprächs in Münster nahe gelegt worden sei.
Er habe jetzt einen Langzeitkursus in einem Kloster begonnen, um einige Probleme anzugehen, die ihm klargeworden seien: Sein Drang nach Familie. Dabei habe er sich zu sehr in die Rolle eines Vaters hineingedrängt. Angehen will er auch seine Schwierigkeit im Umgang mit Alleinsein und den Phasen der Einsamkeit sowie leichte Burnout-Tendenzen durch Dauerstress. Er will auch lernen, mit der Wut über Unrecht, das im widerfahre, umzugehen.
Finanziell und beruflich stehe er jetzt vor dem Nichts.
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