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Emmerich: Pilger fliehen aus Madrid

VON MARKUS BALSER - zuletzt aktualisiert: 22.08.2011

Emmerich (RP). Wegen Sicherheitsmängeln hat die Pilgergruppe aus dem Bistum den Weltjugendtag früher als geplant verlassen. Auf einer Wiese erlebten auch die Teilnehmer aus Emmerich während der Vigil-Feier chaotische Zustände.

Die Gruppe aus Emmerich vor ihrer Abfahrt nach Madrid. Links: Pastoralreferent Michael Beermann.   Foto:  mvo
Die Gruppe aus Emmerich vor ihrer Abfahrt nach Madrid. Links: Pastoralreferent Michael Beermann. Foto: mvo

Ohne den eigentlichen Höhepunkt des Weltjugendtages miterlebt zu haben, nämlich die Messe mit dem Papst, haben alle 850 Pilger aus dem Bistum Münster den Weltjugendtag bereits gestern Morgen verlassen und sich auf die Heimreise begeben. Der Grund waren eklatante Sicherheitsmängel, die die Pilger hautnah miterleben mussten. "Natürlich sind alle ein bisschen enttäuscht, aber die Sicherheit geht vor. Das Risiko, dass etwas passiert, wäre einfach zu groß gewesen", sagte Michael Beermann, den die RP gestern Nachmittag am Handy erreichen konnte.

Der Pastoralreferent aus St. Christophorus gehörte zu den Begleitern der 36-köpfigen Gruppe, die aus Emmerich nach Madrid gefahren war. Gestern saß sie erschöpft aber wohlbehalten in einem Bus, der sie wieder zurück an den Niederrhein fuhr.

Info

Bischof informiert

Bischof Dr. Felix Genn, der auch am Weltjugendtag mitwirkte, war über die Entscheidung informiert worden und trägt sie mit.

Emmerichers Stadtpfarrer Peter Kossen wurde von Michael Beermann benachrichtigt. "Für die Jugendlichen ist das sicher schade, aber die Sicherheit geht vor", sagte er.

Zuvor war es chaotisch zugegangen. Die Jugendlichen aus der Diözese hatten Karten für gute Plätze im eigentlichen Veranstaltungsgelände für die Vigil mit dem Papst am Samstagabend. "Als wir ankamen, war schon alles hoffnungslos überfüllt", musste Projektleiter Frank Rauhaus feststellen, "wir wurden auf eine Wiese südlich des Flughafens umgeleitet". In diesem Ausweichbereich gab es jedoch keine Ordner, keine Sicherheitskräfte, keine Essensausgaben, nur wenig Wasserstellen, nur eine kleine Erste-Hilfe-Station und keinerlei Sicherheitskontrollen. Rasch füllte sich auch dieser Ausweichbereich. "Pilger belegten die Flächen komplett, so dass kaum Geh- oder Fluchtwege blieben – und niemand kümmerte sich darum, weil offenbar niemand für diesen Bereich zuständig war".

Außerdem war der Platz nicht beleuchtet. Ein Unwetter unterbrach dann nicht nur die Papstansprache, sondern warf auch einen Lichtmast um, wobei sieben Menschen verletzt wurden. "Gott sei Dank war niemand aus unserer Gruppe darunter", schildert Rauhaus die Vorkommnisse. Als dann eine Gruppe von Pilgern bei dem Versuch, das Hauptgelände zu erreichen, Zaunelemente umstürzte und panikartige Fluchtbewegungen auslöste, fühlte sich das Leitungsteam aus dem Bistum an die Geschehnisse von Duisburg erinnert. Es entschied sofort, die Gruppen vom Feld zu holen. "Das war für uns nicht einfach, weil wir den Jugendlichen natürlich die Höhepunkte des Weltjugendtags nicht leichtfertig vorenthalten wollten", erklärt Rauhaus.

Die Münsteraner Gruppe übernachtete in einem wenige Kilometer entfernten Park eines Freiluft-Campingbetriebs. Nach einer Nacht mit viel Aufregung und wenig Schlaf machte sie sich am Sonntagmorgen auf die Rückfahrt. Im Laufe des Tages werden sie heute ankommen.

"Ich habe nicht damit gerechnet, dass es zu solch gravierenden Sicherheitsmängeln kommen könnte. Das war schon sehr bedenklich", sagte Michael Beermann der RP. Die Entscheidung, den Weltjugendtag vorzeitig zu verlassen, sei absolut richtig gewesen.

Quelle: RP


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