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Emmerich: Pilgern wie im Mittelalter

VON MONIKA HARTJES - zuletzt aktualisiert: 28.07.2008

Emmerich (RPO). „Palster ende Scerpe nehmen“- das ist ein mittelholländischer Ausdruck für „Pilgerstab und Tasche nehmen“ und bedeutet, dass man zur Pilgerfahrt aufbricht. Diesem mittelalterlichen Brauch folgten jetzt sechs Pilger aus den Niederlanden, die am 14. Juli zu einer 450 Kilometer langen Wanderung aufbrachen mit dem Ziel Aachen. Ihre erste Station in Deutschland war Emmerich.

Die Mitglieder der Vereinigung „Palster ende scerpe“ starteten gemeinsam in Aduard bei Groningen, wo im Mittelalter eines der größten Klöster Nordeuropas stand. Ziel in Aachen ist der Karlsthron im Dom. „Auf einer Urlaubsreise mit Führung durch den Dom haben wir erfahren, dass der Karlsthron eine Besonderheit haben soll. Kriecht man unter die Stufen des Thrones sind alle Sünden vergeben“, erzählte Reinier Michels, Leiter der Gruppe, die aus zwei Frauen und vier Männern besteht.

Pro Tag 25 Kilometer

Dass die Wandergruppe überall auffällt, liegt an der Kleidung: Sie sind wie Pilger im 13. Jahrhundert ausgestattet. Die Unterkleider sind aus Leinen, Röcke mit großen Kapuzen-Krägen, Mäntel, Hosen und Überkleider aus Wolle. Die Schuhe sind aus dünnem Leder angefertigt, auch die Sohle, so dass man den Untergrund und jeden Stein genau merkt.

Aber Blasen laufen sich die Teilnehmer dennoch nicht, Martin und Margje Wessels und Sylvia Leever sind schon den Jakobsweg gepilgert. Pro Tag laufen sie etwa 25 Kilometer. Ein Begleitfahrzeug, in dem auch die jüngsten Mitglieder der Gruppe, der sechsjährige Boudijn und die fünfjährige Kunera Wessels mitfahren, bringt das Gepäck an Ort und Stelle. Unterwegs sammeln die Pilger Spenden für die Stiftung MS Research und für das Klostermuseum in Aduard.

Übernachtet wird in einem Zelt, das dem Originalzelt des Mittelalters nachgebaut wurde. Oder in anderen „Xeno-Dochia“, so wurden die Gästehäuser im Mittelalter genannt. Dabei erleben sie so manche Überraschung. Auf einem Bauernhof sollten sie in einem Stall übernachten, der sich als Luxusappartement mit Dusche entpuppte. In Emmerich wurde die Pilgergruppe von Leo Pastor betreut, sie übernachtete im Martinipfarrheim.

Am Samstag machten die Niederländer eine Stadtbesichtigung und besuchten den Markt. Gestern ging es weiter über die Rheinbrücke nach Grafwegen. Am 2. August wollen sie Aachen erreichen.

Quelle: RP

 
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