Emmerich: Pries nimmt Abschied von Berlin
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 29.09.2009Emmerich (RPO). Die Wahlschlappe der SPD hat direkte Folgen für Christoph Pries. Der Abgeordnete aus Werth ist so gut wie sicher aus dem Bundestag raus. "Das war ein Debakel", sagt er zum Abschneiden seiner Partei.
Gestern Mittag saß Christoph Pries bereits wieder im Flieger nach Berlin. Im Gepäck eine dicke Wahlschlappe und die traurige Gewissheit, dass nach vier Jahren das "Abenteuer Bundestag" erst einmal vorbei ist. "Da brauche ich mir jetzt gar nichts vorzumachen, mit dem Wiedereinzug als Abgeordneter wird es nichts werden", sagte er gestern. Die Reserveliste bei der SPD zieht voraussichtlich bis Platz 13, Pries steht aber erst auf Platz 26. Das Direktmandat hat der 50-Jährige klar verpasst. Sein Konkurrent Johannes Röring holte 54,2 Prozent, Pries kam lediglich auf 25,5.
Daher richtet er sich jetzt darauf ein, sein Büro in Berlin zu räumen. Bis etwa Ende Oktober will er die Bundeshauptstadt verlassen haben.
Jetzt wird er auch Gespräche mit seinem früheren Arbeitgeber aufnehmen. Für das Mandat ruhte sein Job als Journalist bei einer Wochenzeitung. In dieser Branche will er auch wieder einsteigen.
Was machen die Mitarbeiter?
Vor einer ungewissen Zukunft stehen die Mitarbeiter, die für Christoph Pries in den Wahlkreisbüros in Berlin und Bocholt tätig waren. Diese Büros werden jetzt aufgelöst. Dass die Mitarbeiter auf der Straße stehen, sei eine Sache, die ihn sehr belaste, so Pries.
"Das ist das Risiko, mit dem wir immer leben müssen", sagt die Wahlbüro-Mitarbeiterin aus Bocholt. Ein Kollege hat bereits vorher eine neue Stelle gefunden, sie selbst wird jetzt auf Suche gehen. Zumindest die Familie von Christoph Pries kann sich nun freuen, dass er öfter zuhause sein wird. "Meine Frau und die beiden Kinder haben in den vier Jahren gesehen, wie mühselig das Geschäft für einen Bundestagsabgeordneten ist", berichtet Christoph Pries.
Politisch will er auf jeden Fall tätig bleiben. Gerade ist er als Vorsitzender des Unterbezirks bestätigt worden. Ohnehin ist er sicher, dass die SPD vor Ort gute Arbeit leiste. "Wir haben hier auch bessere Ergebnisse gehabt als die SPD auf Bundesebene", sagte Pries, der aber auch das Resultat gar nicht schönreden wollte. "Ganz klar, das war ein Debakel." Mit kleineren Verlusten habe er gerechnet, aber nicht mit einem solchen Einbruch.
Woran es gelegen hat?
"Schwer zu sagen: Ich glaube, die Große Koalition ist uns nicht bekommen."
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