Rees: Rathaus-Virus wirft Fragen auf
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 11.02.2010Rees (RPO). Passenderweise mitten in den "tollen Tagen" hat sich ein Virus im Computer-System der Reeser Stadtverwaltung eingenistet. Die Experten arbeiten fieberhaft daran, dass die Anlage wieder läuft. Noch müssen die Bürger Einschränkungen in Kauf nehmen
Weiter Störungen
Die Telefon-Zentrale des Rathauses ist über die Nummer 510 wieder zu erreichen. Direkte Durchwahlen funktionieren dagegen nicht immer.
Die Computer-Anwendungen im Haus stehen noch nicht wieder zur Verfügung. Davon sind alle Bereiche der Verwaltung betroffen, insbesondere der BürgerService.
Dank eines "Notprogramms" können in der Stadtbücherei nach wie vor Bücher ausgeliehen und zurückgegeben werden. Der BürgerService bleibt wegen der dringenden Arbeiten jedoch am Samstag, 13. Februar, geschlossen.
Seit Freitag treibt ein Computer-Virus im System der Stadtverwaltung sein Unwesen. Die Experten im Haus arbeiten mit Unterstützung von außen fast rund um die Uhr daran, den Fehler zu beheben. Der Vorfall hat eine Reihe von Fragen aufgeworfen. Vor allem, weil die Verwaltung sich erst etwa vor einem halben Jahr eine komplett neue Telefonanlage zugelegt hat. Wie ist es zu der Panne gekommen?
Die Verwaltung vermutet, dass der Virus über eine Internetseite oder über einen USB-Stick eingeschleust wurde. Der Virenscanner hat zwar den Schädling erkannt, konnte ihn aber nicht direkt beseitigen, so dass er sich im Hintergrund weiter verbreitete. Handelte es sich um einen gezielten Hacker-Angriff auf die Stadtverwaltung?
Nein, sagen die EDV-Leute der Verwaltung. Es habe sich um einen Virus gehandelt, der bereits seit längerer Zeit im Umlauf sei. Problem sei, dass er sich ständig verändert und daher vom Virenscanner nicht zu eliminieren war. Welche Folgen hatte der Virus?
Die Telefone funktionieren seit Freitag nicht mehr einwandfrei, Mails kamen nicht an, auch das Fax war gestört. So landete etwa ein Fax zur Baugrunduntersuchung der Feuerwehr Haldern als Irrläufer in der Reeser RP Redaktion. Problem war auch, dass teilweise eine Verbindung beim Telefonieren zustande kam und das Gespräch dann mittendrin abriss. Probleme gab es auch bei der Ausleihe in der Bücherei oder im BürgerService. Vieles wurde handschriftlich notiert und soll jetzt nachgearbeitet werden.
Die Telefonanlage ist ziemlich neu. Rees hat sich damals für eine kombinierte Lösung aus Computer und Telefonanlage entschieden. Wäre es nicht besser gewesen, die klassische Trennung beizubehalten?
Nein, meint Stadtsprecher Frank Postulart. Das System "Voice over IP" (telefonieren über Internet) sei die Zukunft. Viele Privatleute würden das bereits zuhause nutzen, auch eine Verwaltung komme nicht daran vorbei, auf diese neue Technik zu setzen. Sie biete viele Möglichkeiten. Faxe sind direkt auf dem Rechner zu öffnen, über das Programm Outlook kann direkt telefoniert werden.
Rees ist Projektkommune des Software-Riesen Microsoft. Darf dann eine solche technische Panne passieren?
Microsoft habe mit dem System nichts zu tun, heißt es. Es stellt nur Software für das Rathaus. Diese Software laufe auch problemlos.
Besteht Gefahr, dass über die Stadtverwaltung der Virus an das Kommunale Rechenzentrum oder an private Rechner weitergeleitet wurde?
Nein, sagt Frank Postulart. Der Virus habe nur das verwaltungsinterne System betroffen: "Er ist nicht weitergeleitet worden."
Wie will die Stadtverwaltung solch einen Absturz des Systems künftig verhindern?
Es wird an einer Übergangslösung gearbeitet. Daher waren gestern auch Mitarbeiter des Kommunalen Rechenzentrums in Rees. Es soll ein System geschaffen werden, bei dem man im Virus-Fall auf eine Art "Not-System" umschalten kann.
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