Rees: Riesen-Mast statt Erdkabel
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 26.11.2009Rees (RPO). In Wesel werden zwei neue Höchstspannungsleitungen zusammenlaufen. Eine Trasse verläuft über Rees Richtung Holland und soll Riesen-Masten von 55 Meter Höhe bekommen. Die Chance, dass es statt dessen auf Reeser Gebiet Erdkabel geben könnte, ist gleich Null.
Der Hintergrund leuchtet ein: Immer mehr Energie wird im Norden erzeugt, gleichzeitig immer mehr Kraftwerke im Süden abgeschaltet. Das hat zur Folge, dass riesige Energiemengen vom Norden in den Süden transportiert werden müssen. Ein Bedarf, den die Deutsche Energie-Agentur (Dena) festgestellt hat und der jetzt auch in der Region mit zwei neuen 380-KV-Höchstspannungsleitungen praktisch umgesetzt werden soll.
Eine Trasse wird von Meppen nach Wesel führen, die andere von den Niederlanden über Isselburg und Rees ebenfalls nach Wesel. Geplant und gebaut wird die neue Leitung von der Firma Amprion, einer 100-prozentigen Tochter der RWE. Pläne, die vor Ort offenbar noch gar nicht so richtig bekannt sind, die aber im Nachbarkreis Borken bereits hohe Wellen schlagen.
Denn für die neue Leitung müssen Riesenmasten von 55 Meter Höhe errichtet werden. 20 Meter höher als die vorhandenen Masten. Zum Vergleich: Die Mariä Himmelfahrtkirche in Rees ist etwa 36 Meter hoch. Die Höhe ist nötig, um den nötigen Abstand für die Strahlung zu bekommen. Denn bei der Höchstspannungsleitung gelten natürlich auch andere Grenzwerte als bei der vorhandenen 220-KV-Leitung.
Protest der Bauern
Die Pläne sind von der Isselburger Verwaltung bereits kritisiert worden. Bürgermeister Adolf Radstaak wünscht sich lieber Erdkabel. Ähnlich wird das in Rees gesehen, wo die Pläne für die Leitung Richtung Holland im Rathaus auslagen. Im Kreis Borken haben sich bereits Bürgerinitiativen gegründet, die fordern, das Kabel in der Erde zu verlegen. Zu diesen Forderungen nahmen jetzt Vertreter von Amprion bei einem Pressetermin Stellung. Sie erläuterten, dass es an vielen Stellen nicht wirtschaftlich sei, ein Erdkabel zu verlegen. Denn ein Kilometer Kabel in der Erde kostet sieben Millionen Euro und damit sieben Mal so viel wie bei einer Freileitung. Zudem müssten für das Erdkabel Übergangsstationen errichtet werden mit einer Grundfläche von 35 mal 70 Meter – das entspricht etwa einem halben Fußballfeld. "Da wird nicht jeder Bauer begeistert sein, wenn eine solche Station auf sein Feld kommen soll", erläuterte Dieter Picklapp von Amprion. Das Unternehmen hat bereits die Bereiche im Auge, die ein Erdkabel bekommen sollen. Klar ist: Weder auf Reeser noch auf Isselburger Gebiet soll es Erdkabel geben.
Die neuen Riesenmasten werden fast komplett auf der vorhandenen Trasse errichtet. Da sie einen doppelt so großen Abstand haben müssen, wird sich automatisch die Zahl der Masten verringern. Zwischen Raesfeld und Wesel etwa werden später 28 Riesenmasten statt der bestehenden 44 stehen. Die Leitungen sollen einen Mindestabstand von 15 Meter zum Boden haben, damit kein Bauer Probleme bekommt, wenn er beispielsweise mit einem großen Mähdrescher darunter unterwegs ist.
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