Emmerich: Schokoticket sorgt für Chaos
VON MONIKA HARTJES - zuletzt aktualisiert: 31.01.2012Emmerich (RP). Susanne de Vries aus Emmerich hat drei Kinder. Für ihre älteste Tochter ist das neue Schokoticket gut, für den jüngsten Sohn ist es komplett ungeeignet. Der mittlere Sohn geht in Rees zur Schule – damit ist das Chaos perfekt.
Ab dem 1. Februar müssen Emmericher Schüler, die per Bus und Bahn zur Schule fahren, ein Schokoticket vorweisen. Das ist beschlossene Sache, und die meisten Schüler haben ihre neuen Tickets vorliegen. Trotzdem gibt es bei den Eltern noch viele offene Fragen. "Ich hätte mir Informationsveranstaltungen für die einzelnen Schulen gewünscht, damit konkrete Fragen auch beantwortet werden", sagt Susanne de Vries, die gleich drei "fahrende" Schulkinder hat.
Tochter Alina ist 16 Jahre und besucht die zehnte Klasse der Realschule. "Für sie ist so ein Ticket ideal", so Mutter Susanne. "Da brauche ich dann nicht am Wochenende, wenn ich Dienst habe, zwischendurch noch Taxi zu spielen, weil meine Tochter ihre Freundinnen besuchen möchte." Doch in den Abendstunden seien die Nahverkehrsverbindungen so schlecht, da werde sie wohl wieder selber fahren müssen.
Die neue Buskarte
Das Schülerticket gibt es für alle Schüler unter 25 Jahre von der Grundschule bis zur Sekundarstufe II. Es gilt für beliebig viele Fahrten im Bereich bis Oberhausen.
Bei Über-15-Jährigen wird jährlich eine Schulbescheinigung verlangt.
Fragen zum Schokoticket-Abo kann man unter Tel. 0800 2051122 stellen.
Alina freut sich auf gemeinsame Bus- und Bahnfahrten mit den Freundinnen: "Da können wir in Wesel zur Eishalle fahren oder nach Oberhausen zum Shoppen." Ob die Tochter das Ticket auch noch nach der Schulzeit, die im Sommer endet, bekommt, das wisse sie nicht, so die Vrasselterin.
Anders ist die Lage bei Sohn Mirko. Der Neunjährige besucht die vierte Klasse der Michael-Grundschule in Praest. "Mirko ist zu jung, um alleine mit dem Bus bis Kleve oder Duisburg zu fahren", so Susanne de Vries. Sie habe das auch von vielen Eltern der Grundschüler gehört: Für die jungen Schüler sei so eine Karte überflüssig. Man müsse zahlen, aber könne die Vorteile überhaupt nicht nutzen. "Wir Eltern würden die Entscheidung, ob Schokoticket oder nicht, lieber freiwillig treffen."
Wieder anders sieht es bei Sohn Nils aus, 14 Jahre alt. Bis zum Sommer zahlte die Stadt Emmerich die Busfahrkarte bis zur Luitgardisschule in Elten, die damals geschlossen wurde. Bewusst entschieden sich die Eltern dafür, dass er die Rheinschule in Rees besucht. Für die Fahrkarte strecken sie jeden Monat rund 70 Euro vor, bekommen aber 50 Euro von der Stadt Rees erstattet. "Da sich Rees nicht am Schokoticket beteiligt, hoffen wir, dass es so bleibt, wie es jetzt ist und nicht teurer für uns wird." Zumal auch Sohn Mirko ab August die Reeser Schule besuchen wird.
Auch im Freundeskreis wurde das Ticket diskutiert. Eine Mutter muss für drei ihrer Kinder 30 Euro monatlich für die Schokotickets zuzahlen: Für den 16-Jährigen zwölf Euro, für den Zehnjährigen sechs Euro, der Älteste ist volljährig und muss zwölf Euro zahlen, obwohl er als Schüler keinen Cent verdient.
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