Rees: Selbstmord: Ermittlungen
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 07.04.2009Rees (RPO). Nachdem der Mord an der 20-jährigen Gülsüm aufgeklärt ist, hat der Selbstmord ihrer Mutter vor 13 Jahren neue Fragen aufgeworfen. Der Staatsanwalt in Münster stellt "Nachermittlungen" an.
Derzeit ist offenbar noch nicht davon auszugehen, dass schnell Ruhe nach der Aufklärung an dem Mord an Gülsüm Semin einkehrt. Nachdem die Tat geklärt ist und die Polizei den Vater und den Bruder von Gülsüm sowie einen Russen verhaftet hat, rückt nun ein Vorfall aus dem Jahr 1996 in den Fokus.
Damals war, wie berichtet, die Mutter von Gülsüm tot im Teich des Bocholter Krankenhauses aufgefunden worden. Die Polizei hatte den Fall seinerzeit untersucht und eindeutig einen Selbstmord festgestellt. Doch nachdem bekannt wurde, dass der Ehemann den Tod seiner Frau bereits am Tag zuvor im Reeser Rathaus angekündigt haben soll, hat sich der Staatsanwalt in die Sache eingeschaltet.
"Einige Ungereimtheiten"
"Durch diese Äußerungen haben sich für uns da einige Ungereimtheiten ergeben, denen wir nachgehen wollen", sagte gestern Oberstaatsanwalt Heribert Beck aus Münster. Er ist zuständig, weil Ehefrau Semin am Bocholter Krankenhaus tot aufgefunden worden war. Sie soll sich mit einem Handtuch erdrosselt haben.
"Ich habe mir die Akte von damals kommen lassen, um mir den Vorfall noch einmal genau anzusehen und werde ein paar Nachermittlungen einleiten", sagte der Staatsanwalt gestern Nachmittag. Man wolle auch überprüfen, ob es von Seiten der Stadt Rees damals eine Mitteilung an die Polizei in der Sache gegeben habe. Von der Reeser Verwaltung hieß es gestern noch einmal, dass man 1996 die Polizei informiert habe.
Der Staatsanwalt geht aber davon aus, dass die Nachermittlungen nur bestätigten, dass es sich tatsächlich um einen Selbstmord gehandelt hat. "Wir haben derzeit keinen Anlass, von etwas anderem auszugehen."
Auf den aktuellen Mordfall habe der Vorfall ohnehin keinen Einfluss. Die Mordkommission habe sich im Laufe der Ermittlungen den Fall kommen lassen. Dabei hätten sich keine Anhaltspunkte ergeben, dass der Vater etwas mit dem Selbstmord zu tun hatte. "Es gab damals den Hinweis durch andere Patienten aus dem Krankenhaus-Zimmer, dass die Frau durch Gesten deutlich gemacht habe, dass sie sterben wolle, weil sie von ihrer schweren Krebserkrankung erfahren hat", berichtet Paul Bußhoff, Sprecher der Kreispolizei Borken.
Krebserkrankung als Auslöser ?
Eine Bekannte der Familie bezweifelt ebenfalls, dass der Vater etwas mit dem Tod der ersten Ehefrau zu tun hat. "Die Frau war damals auch verzweifelt, weil es bei der Flucht aus der Türkei nicht alle Kinder sofort nach Rees geschafft hatten." Einige seien erst später nachgekommen. Ihr Aufenthaltsort sei zeitweise ungewiss gewesen. Darunter habe die Mutter so gelitten. Als die Nachricht der Krebserkrankung dazu kam, habe sie wohl die Entscheidung gefasst, sich das Leben zu nehmen.
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