Emmerich: Sind Hänsel & Gretel Mörder ?
VON LUTZ KÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 25.09.2009Emmerich (RPO). Im Rahmen der Märchenwoche müssen sich Hänsel und Gretel vor dem Emmericher Amtsgericht verantworten. Es geht um den Tod der Hexe. Der Fall wird in die heutige Zeit verlegt. Gestern erhielt die RP die "Anklageschrift".
Der Tod der Hexe in ihrem Hexenhaus – er wird am Dienstag, 6. Oktober, ab 19 Uhr untersucht. Und zwar vor dem Emmericher Amtsgericht, wenn Schüler des Literaturkurses im Rahmen der Märchenwoche gemeinsam mit echten Juristen den fiktiven Fall real verhandeln.
"Wir tun so, als ob das Märchen in der heutigen Zeit tatsächlich passiert wäre", erklärt Edmund Verbeet, Rektor am Emmericher Amtsgericht. Er hat die Anklageschrift verfasst. Und darin wird der Staatsanwalt unter anderem auf Mord plädieren. Mord an der Hexe.
Dabei handelt es sich nicht um ein Theaterspiel mit festgelegten Sprechrollen. Sondern eben um eine echte Verhandlung, deren Urteil aber wohl so gut wie feststeht. Nur soviel: Mörder sind Hänsel und Gretel natürlich nicht. Verbeet: "Der Staatsanwalt hat ja nicht automatisch mit seiner Anklage Recht."
Sie stehen vor "Gericht"
Hänsel: Alexander Schulze Gretel: Theresa Sünder
Vater: Thomas Brokamp
Richter: Edmund Verbeet
Staatsanwalt: Norbert Scheyda
Rechtsanwältin: Janka Groetschel
sowie in weiteren Rollen Frauke Tepest, Robin Bergener und Tobias van Nüss aus dem Literaturkursus des Willibrord-Gymnasiums.
Hänsel wohnt in Hüthum
In der Verbeet'schen Anklageschrift heißt Hänsel Hans Bäumschläger, seine Schwester Margarethe Baumschläger. Sie wohnen in Hüthum auf der Straße "Am Entenfang 2". Sie sollen am 4. März 2009 in die Wohnung von Elfriede Rabenstein widerrechtlich eingedrungen sein. Dort, am Hexenoord 1, haben sie laut Staatsanwalt die Frau aus Habgier heimtückisch getötet und sich fremde bewegliche Sachen rechtswidrig angeeignet. Verbeet stellt Vergehen nach den Paragraphen 221 (Mord), 246 (Unterschlagung) und 123 (Hausfriedensbruch) fest.
"Bisher hat es nur eine Besprechung gegeben, alles andere vor Gericht wird spontan geschehen", erklärte Stephan Meyer gestern gegenüber der RP. Der Emmericher organisiert mit seiner Frau Anneli die Märchenwoche, die zum zweiten Mal stattfindet und in diesem Jahr in der Rheinstadt über die Bühne geht.
Hexenhaus wird nachgebaut
Vor der Verhandlung wird Anneli Meyer das Märchen im Original vorlesen, damit alle Zuschauer im Bilde sind. "Da der Saal im Amtsgericht wahrscheinlich zu klein sein wird, übertragen wird die Verhandlung per Beamer auch in den Flur", verrät Stephan Meyer.
Weiteres interessantes Detail: Ralf Verhey und sein Team von der Bäckerei "Bröd'je" werden ein Hexenhaus (50 mal 50 Zentimeter) nachbauen. Es wird vor Gericht als Beweismittel zum Einsatz kommen.
Der Eintritt zu der Veranstaltung ist frei. Weitere Infos im Netz:
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