Rees/Kalkar: Tauchen, ohne nass zu werden
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 18.02.2010 - 12:10Rees/Kalkar (RPO). Weltweit einmalig ist das Tauchglockenschiff Carl Straat. Das 52 Meter lange Riesenschiff erlaubt Arbeiten auf dem Rheinboden. Ab heute ist das Gerät an der Baustelle der Flutmulde im Einsatz, um zu prüfen, ob Material unter Wasser richtig verlegt wurde.
"Betreten der Schleuse während des Anhebens der Glocke verboten", warnt ein Schild im Kommandoraum der Carl Straat. "Lebensgefahr" steht in dicken Buchstaben auf dem roten Schild auch noch darunter. Keine Frage: Das riesige Tauchglockenschiff ist kein Spielplatz, das Arbeiten darauf verlangt höchste Konzentration und ist nicht ganz ungefährlich. Deshalb ist es inzwischen auch untersagt, dass Besucher bei einem Termin auf dem Schiff per Tauchglocke zum Rheinboden gebracht gehen. Früher erlebten die Besucher dann das unglaubliche Gefühl, vier Meter tief auf dem Boden des Rheins zu stehen - ohne dabei nass zu werden. Das mulmige Gefühl, von Millionen Litern Wasser umgeben zu sein, gab es gratis dazu.
Heute dürften Gäste an Bord nur per Video einen Blick unter die Wasseroberfläche werfen. Doch selbst das ist aktuell noch nicht möglich, weil die Carl Straat in Warteposition liegt und die Glocke noch nicht abgesenkt ist. Das weltweit einzige Tauchglockenschiff wird erst heute früh zu seinem Einsatzort in der Fährschneise der Flutmulde auf Reeserschanz fahren und dort die Tauchglocke ganz langsam ins Wasser gleiten lassen.
Das Prinzip des Geräts ist ebenso einfach wie genial: Wie bei einem umgestülpten Bierglas verdrängt die Glocke das Wasser durch den Überdruck. Dadurch ist es den Arbeitern möglich, trockenen Fußes auf den Rheinboden zu spazieren. Das ist freilich kein touristischer Ausflug, sondern harter Arbeitseinsatz mehrere Meter unter der Wasseroberfläche. Die Tauchglocke wird nämlich eingesetzt, um die Rheinsohle zu kontrollieren und Hindernisse zu beseitigen. 2007 etwa war die Glocke beim spektakulären Unfall der "Excelsior" im Einsatz und half entscheidend dabei mit, die Container zu lokalisieren und zu bergen.
Am Rheinufer gegenüber von Rees ist der aktuelle Einsatz unspektakulärer. Es geht darum, zu überprüfen, ob das Geotextil unter Wasser richtig sitzt, wie Dietmar Abels vom Wasser und Schifffahrtsamt erläutert. Dieses Material ist im Zuge des Flutmuldenprojektes auf die Sandschicht gelegt worden und bildet einen Filter zu der 70 Zentimeter dicken Steinschicht, die darüber platziert wurde. Per Tauchglocke wird in den nächsten Tagen überprüft, ob das Material auch richtig am Platz ist. Das Winterwetter kann die "Trockentaucher" dabei kaum schrecken. "Wir haben doch drei Grad plus, wo ist das Problem?", fragt Schleusenwärter Thomas Bach. Er habe bereits erlebt, dass die Wände der Tauchglocke gefroren waren – im Vergleich dazu, habe man derzeit fast mollig warme Temperaturen.
Und Schnee und Eis haben das Flutmulden-Projekt bisher auch nicht behindert. "Wir liegen voll im Zeitplan", sagt Abels. Anfang März sollen die Arbeiten an der eigentlichen Flutmulden-Trasse beginnen, für Palmsonntag ist fest der Start der Fährsaison eingeplant. Spätestens bis dahin soll die Fährrampe startklar sein. Dafür, dass das Geotextil sitzt, hat dann ja sicher die Tauchglocke gesorgt.
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