Rees: Tür an Tür mit dem Täter
VON SEBASTIAN LATZEL - zuletzt aktualisiert: 28.03.2009Rees (RPO). Der Russe, der Gülsüm Semin ermordet haben soll, hat ein halbes Jahr auf dem selben Flur wie die Familie Semin gewohnt. Ihn hatte die Polizei offenbar bereits länger im Auge.
"TÜR ZU!", steht mit dickem Filzstift auf der Stahltür geschrieben. Die Tür zum Container A auf dem Gelände des Flüchtlingsheim ist trotzdem offen. Der Flur ist leer. In dem Pavillon direkt am Melatenweg hat Gülsüm Semin mit ihrer Familie fast ein halbes Jahr Tür an Tür mit dem 32-jährigen Mann gewohnt, der nach Auffassung der Polizei der Mörder ist. Als die Semins Ende 2007 aus dem Container auszogen, zog auch der Russe um, weil die Stadt die Aufteilung auf dem Gelände neu ordnete. Seitdem lebte der 32-jährige mutmaßliche Täter direkt daneben in Container C. Das Siegel der Polizei an der Zimmertür des Verdächtigen ist abgekratzt, über der Tür hängt ein Poster vom Sportwagen Audi A 80. Der Russe war offenbar Autofan.
Kein Geständnis
Der 32-jährige Russe, der von der Polizei verhaftet wurde, streitet die Tat ab. "Er gibt sogar an, überhaupt nicht am Tatort gewesen zu sein", erläuterte die zuständige Staatsanwältin Nicole Jakielski.
Daher macht er auch keine Angaben über mögliche Mittäter oder Hintermänner.
Für die Behörden ist er dringend tatverdächtig. Allerdings geht man davon aus, dass er den Mord nicht alleine begangen hat. Daher wird wegen gemeinschaftlichem Mord ermittelt.
Er lebte alleine
Davon weiß sein Zimmernachbar nichts, der ohnehin wenig Kontakt zu dem Russen hatte. "Die weißen Männer reden nicht oft mit uns", sagt der Schwarzafrikaner. Jeder bleibe da lieber für sich. Ob er ihm die Tat zutraue? Der Mann im blauen Adidas T-Shirt zuckt mit den Achseln. "Weiß nicht", sagt er. Natürlich hat er mitbekommen, dass der 32-Jährige von der Polizei mitgenommen wurde. Fast jeden Tag seien die Beamten gekommen, hätten das Zimmer komplett auf den Kopf gestellt und durchsucht. Sogar den kleinen Teppich vor der Tür hätten die Beamten mitgenommen, um ihn zu untersuchen. "Erst heute früh war die Polizei wieder hier", sagt der Schwarzafrikaner.
Der Russe lebte alleine in dem Zimmer, von Kontakten zu anderen Bewohnern im Heim weiß der Zimmernachbar nichts.
Fest steht, dass der mutmaßliche Täter die junge Frau gekannt haben muss, weil er mit der Familie auf einem Flur wohnte. In dem Container wird man sich zwangsläufig über den Weg gelaufen sein. Außerdem treffe man sich bei gutem Wetter öfter draußen auf dem Hof und sitze zusammen, heißt es am Heim.
Von dort sind es nur wenige hundert Meter Luftlinie bis zum Tatort. Das Wäldchen in Groin, in dem die junge Frau erschlagen aufgefunden wurde, ist fast zu sehen.
Am Tatort hat die Polizei Spuren gefunden, die auf den Russen als Täter hinweisen. Die Beweislage muss so erdrückend sein, dass die Staatsanwältin schließlich Haftbefehl beantragte. Polizei und Staatsanwaltschaft gehen aber davon aus, dass der Russe die Tat nicht allein begangen hat. Neben der Leiche waren mehrere Schlagwerkzeuge gefunden worden.
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