Emmerich: Unterhaltsame Dorfgeschichte
VON ANNA WESOLOWSKI - zuletzt aktualisiert: 30.10.2007Emmerich (RPO). Das Blättern und Lesen in dem Buch macht einfach Spaß. Norbert Behrendt hat Geschichte und Geschichten rund um Millingen und die Orte in der Hetter zusammengetragen. Jetzt wurde das Buch vorgestellt.
Jetzt erhältlich
„Geschichte und Geschichten rechts des Rheins Aus Millingen und den Dörfern der Hetter“ von Norbert Behrendt kann man ab heute für zehn Euro bei Schreibwaren Schilling und Spielwaren Schlüter in Millingen, der Reeser Bücherecke, Stratmann in Haldern und Iffland in Emmerich erwerben.
Allerdings sollte man sich beeilen: Die erste Auflage beträgt nur 1000 Exemplare.
MILLINGEN. Nach dem überragenden Erfolg seines ersten Buches „Bomben, Granaten, Tiefflieger“ war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann Norbert Behrendt wieder zum Papier greift und in der Millinger Historie forscht. Herausgekommen ist erneut ein Werk, das nicht nur jeder Ortsansässiger in seinem Bücherregal stehen haben sollte. In „Geschichte und Geschichten rechts des Rheins Aus Millingen und den Dörfern der Hetter vom Mittelalter bis zur Neuzeit“ , herausgegeben von der KAB, tummeln sich auf 330 Seiten lehrreiche und vor allem lustige Anekdoten. Aus süffisante Art und Weise liefern Behrendt und sein Team einen Einblick in die zumeist sonderbare Psyche des Niederrheiners an sich. Eben ein Buch für Dörfler von Dörflern.
Diese konnten es kaum erwarten, endlich weiterlesen zu können. Bei der offiziellen Buchpräsentation im Millinger Heimatvereinshaus am Sonntagmorgen setzte sofort wieder der Run auf den Verkaufstisch ein.
„Der ein oder andere wird sich sicherlich gewundert haben, wie ein Zugereister sich so sehr für die Geschichten des Niederrheins begeistern kann“, so die stellvertretende Bürgermeisterin Mariehilde Henning. Scheinbar muss der Westpreuße sein Herz an die hiesigen Bürger verloren haben, auch wenn er anfangs noch meinte, dass er es in Millingen nicht lange aushält. Eine spontane Äußerung, für die sich der Autor heute wohl schämt. „Spätestens seit der Arbeit an den Büchern hab ich den Ort noch besser kennengelernt und er ist mir endgültig zur Heimat geworden.“ An diesem Gefühl lässt er seine Leser auch teilhaben. In mühsamer Arbeit hat Behrendt zahlreiche Zeitzeugen befragt und so amüsante Alltagsgeschichten zusammengetragen. Schließlich wimmelt es nur so von verschiedenen Leuten in Millingen, die alle ihre individuelle Geschichte haben. Man muss ihnen nur zuhören. In Behrendt haben sie da den richtigen Ansprechpartner gefunden.
Nach einem kurzen Abriss der allgemeinen Historie des Ortes folgen Erlebnisberichte rund um Ärzte und Apotheker, die Schule, die Kirche, Gerichtsverhandlungen, Schmuggler und Zöllner, das Vereinsleben und natürlich die Dorforiginale. Allen voran Karl-Friedrich (von) Jansen. Besser bekannt unter Kuli Jansen. Millingens persönlicher Lügenbaron. Trotz seiner 80 Jahre ist er aktiv wie nie im Gerüchte und erdachte Geschichten verbreiten, denen schon so mancher auf dem Leim gegangen ist. Da wäre selbst Münchhausen noch neidisch. Erst im April dieses Jahres, wie das Buch zu berichten weiß, machte im Dorf die „Neuigkeit“ die Runde, dass man Kuli zu Ehren ein Denkmal errichten wolle. Gegenüber der Sparkasse und dem Edekamarkts sollte Kuli als Bronzefigur in Marineuniform überlebensgroß mit winkender Hand aufgestellt werden. Damit sich die versammelten Leseratten im Saal schon mal ein Bild von der Skulptur machen konnte, scheute Behrendt keine Mühe. Unter tosendem Applaus und der musikalischen Begleitung des Tambourcorps marschierte das Original in Kluft ein und nahm die entsprechende Pose schon mal ein. Für Spaß war der Rentner eben immer schon zu haben. Und die Millinger bekanntlich auch. Das kann man jetzt sogar nachlesen.
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