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Issum: 3500 Tannenbäume zerstört

VON CORINNA KUHS UND MARTINA STÖCKER - zuletzt aktualisiert: 15.12.2008 - 07:29

Issum (RPO). Unbekannte Täter haben in einer Schonung tausende Baumspitzen abgeschnitten: Der Schaden beträgt weit mehr als 70.000 Euro. Die Besitzerin glaubt an einen gezielten Sabotage-Akt durch Konkurrenten. Andere Züchter bestätigen: Der Markt ist hart umkämpft.

Weihnachten ist für Annegret Tersteegen in diesem Jahr kein Fest der Freude. Fassungslos steht sie zwischen ihren Nordmanntannen und schüttelt den Kopf. „Das waren rohe, herzlose Menschen“, sagt die 65-Jährige und schaut traurig auf das Grün, das sie in der Hand hält. Es ist die abgeschnittene Spitze einer Nordmanntanne.

Eine von rund 3500 gekappten Spitzen, die sie in ihrer Baumschonung und der ihres Sohnes im niederrheinischen Issum zu beklagen hat. Geschätzter Schaden: mehr als 70 000 Euro. „Wir haben einen Verlust auf Jahre“, stellt Annegret Tersteegen fest.

In der Nacht zu Freitag sind Unbekannte über einen Zaun auf das Gelände geklettert und haben die Tannen regelrecht geköpft: Die Schnittstelle ist schräg, aber nicht ausgefranst. „Das müssen die mit einer Art Samuraischwert gemacht haben“, meint Tersteegen. Wer „die“ sind, das weiß sie nicht. Aber sie vermutet, dass es Menschen sind, die ihr das Geschäft mit den Weihnachtsbäumen neiden. „Es müssen fremde Konkurrenten sein, die es auf unsere Verkaufsplätze abgesehen haben“, glaubt Tersteegen.

Seit 30 Jahren verkauft sie Weihnachtsbäume auf ihrem Hof und an Verkaufsständen in der Umgebung. In der Nacht zu Sonntag dann der nächste, unfassbare Schlag: An mehreren Ständen in Kamp-Lintfort wurden die dort lagernden Bäume mit Diesel besprüht. Die Tannen stinken und sind deshalb unverkäuflich. Die Kreispolizeibehörde Wesel bezifferte den Schaden für die Issumer Züchter auf etwa 50 000 Euro. Schon unter der Woche geschah solch ein Anschlag in Kamp-Lintfort. Der Verlust lag aber nur 3000 Euro.

Ähnliche Vorfälle höre man in den vergangenen Jahren immer wieder, sagt der sauerländische Züchter Rolf Betzinger, der in Sundern 35 Hektar bewirtschaftet. Doch das Ausmaß der Tat erschreckt ihn. „Bei einem Nachbarn ist so etwas vor Jahren mal passiert – aber damals waren ,nur’ 1000 Bäume betroffen.“ Betzinger verkauft die Tannen ab Hof, aber auch an Verkaufsständen in einigen deutschen Städten. Dort sei es noch nicht zu Vandalismus gekommen.

„Höchstens ein paar Zweige waren abgeknickt, wenn ein Baum gestohlen wurde“. Diebstahl sei das eigentliche Problem. Doch aus der Branche habe er schon gehört, dass auch mal ein Farbbeutel hinter die Umzäunung geflogen sei und so die Ware ruiniert habe. Ein anderer Züchter, ebenfalls aus der NRW-Tannen-Hochburg Sauerland, betont: „Der Markt ist seit einiger Zeit härter umkämpft als früher.“

Ob tatsächlich eine „Christbaum-Mafia“ in Issum am Werk war, kann die Kreispolizeibehörde in Kleve, die den Fall am Wochenende bekannt gab, nicht sagen. „Man macht sich natürlich seine Gedanken. Wir ermitteln in alle Richtungen“, erklärte gestern Roland Ernst von der Kreisleitstelle. Dass mehrere tausend Bäume betroffen sind, findet der Beamte erstaunlich: „Da hat sich jemand richtig Mühe gemacht.“

Annegret Tersteegen glaubt nicht an Zufälle. „Das sind absolute Profis“, sagt sie über die Täter. Abgeschnitten hätten diese bei ihren Bäumen nämlich nur die Spitzen von besonders schönen – und damit gut zu verkaufenden – Bäumen. Einige dieser Tannen waren knapp vier Meter hoch, gewachsen „in ungefähr 15 Jahren“, wie Annegret Tersteegen sagt. Sie wollte diese Bäume noch ein weiteres Jahr stehen lassen, um sie dann für das nächste Weihnachtsfest als besonders repräsentative Exemplare an Stadtverwaltungen oder Autohäuser zu verkaufen.

Auch Bäumen, die Kunden bereits reserviert und mit einem roten Band versehen hatten, fehlt nun die Spitze. 500 Nordmanntannen sind bei der 65-Jährigen betroffen, auf der nahe gelegenen Schonung ihres Sohnes geschätzte 1500 sowie noch einmal so viele Blaufichten. Annegret Tersteegen hat Anzeige wegen Sachbeschädigung erstattet.

Quelle: RP

 
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