Geldern: Abschied nach 25 Jahren
zuletzt aktualisiert: 21.01.2012Geldern (RP). Vorstandsmitglied Hermann Hengstermann zieht eine Bilanz seiner Tätigkeit bei der Caritas. In Zukunft möchte sich der ehemalige Bankkaufmann ehrenamtlich engagieren.
Aus dem Vorstand der Caritas Geldern-Kevelaer geht Hermann Hengstermann in diesem Jahr in Ruhestand. Im Interview mit RP-Mitarbeiterin Bianca Mokwa hält er einen Rückblick auf große Projekte und Ziele und wünscht seinem Nachfolger alles Gute.
Wie lange sind Sie schon im Vorstand der Caritas?
Hermann Hengstermann 1987 habe ich beim Caritasverband angefangen. Urspünglich hatte ich eine Banklehre absolviert, diesen Beruf dann aber aufgegeben. Während meiner Ausbildung habe ich erlebt, dass viele Auszubildende viel schwierigere Lebenssituationen zu meistern hatten als ich selbst. Das hat mich dann bewogen, zur Christlichen Arbeiterjugendbewegung zu wechseln, wo ich zwölf Jahre lang mit Jugendlichen gearbeitet habe. Beim Caritasverband hatte ich dann die Chance, meine kaufmännischen Kenntnisse mit meinen Erfahrungen in der sozialen Bewegung zu verbinden. Die Caritas ist für mich eine gute Möglichkeit, meinen Glauben zu leben, indem ich mich für Menschen engagiere, die benachteiligt und unterstützungsbedürftig sind.
Was waren Ihre anspruchsvollsten Projekte?
Hengstermann Das wirklich Anspruchsvolle war eigentlich immer, zunächst die Nöte der Menschen wahrzunehmen und konkrete Projekte zu entwickeln, mit denen tatsächlich Hilfe möglich ist. Ich habe in all den Jahren die Erfahrung gemacht: Wenn man eine gute Idee hat, die den Menschen dient, findet man zusammen mit Behörden und Kostenträgern fast immer auch Möglichkeiten, diese Ideen umzusetzen.
Wie empfanden Sie die Planungen für das Adelheid-Haus in Geldern?
Hemgstgermann Nach allen Diskussionen in der Planungsphase realisieren wir nun ein einzigartiges Projekt, das den Bedürfnissen der Menschen in Geldern gerecht wird und nebenbei im Bistum Münster als gutes Beispiel für eine gelungene Kirchenumnutzung gilt. Bei aller Betroffenheit, dass die Adelheid-Kirche nicht mehr als Gotteshaus genutzt werden kann, bin ich doch froh, dass es gelungen ist, dort mit der Kapelle einen geistlichen Mittelpunkt erhalten zu können. Das Adelheid-Haus wird im Sommer 2012 fertig, und ich freue mich, bei der Eröffnung dabei zu sein.
Welche Bedeutung hat das Mehrgenerationenhaus im Klostergarten Kevelaer für Sie?
Hengstermann Der Klostergarten steht natürlich häufig im Licht der Öffentlichkeit. Gerade in diesem Zusammenhang ist mir aber eines besonders wichtig: Es kommt mir nicht auf die Größe eines Projektes an, sondern darauf, dass die Lebenssituation benachteiligter Menschen verbessert wird. Deshalb hat für mich ein Fachdienst wie zum Beispiel die Migrations- und Flüchtlingsberatung eine ebenso große Bedeutung wie der Klostergarten.
Was war das Leitbild bei Ihren Vorhaben?
Hengstermann Wichtig war mir immer, dass wir uns an den Nöten der Menschen orientieren. Deshalb haben wir schon sehr früh – zu Beginn der 90-er Jahre – mit den Mitarbeitern ein Leitbild entwickelt, in dem wir formulieren, wofür Caritas steht und was die Ziele der Caritasarbeit sind. Zusammengefasst drücken wir das heute in unserem Kernsatz "Ihr Wohlergehen ist unser Anliegen" aus. Im Sinne des christlichen Menschenbildes verstehen wir darunter das Wohlergehen in materieller, körperlicher, sozialer und geistig/seelischer Hinsicht.
Was muss man mitbringen, um als Vorstand bei der Caritas zu arbeiten? Was wünschen Sie ihrem Nachfolger in der Zukunft?
Hengstermann Es wird nicht den einen Nachfolger geben, es gibt drei Nachfolger. Mit Delk Bagusat und Petra Keysers sind zwei von ihnen bereits seit Jahren im Verband in leitender Funktion erfolgreich tätig. Die freie Stelle des dritten Vorstandsmitgliedes werden wir zum 1. Oktober 2012 neu besetzen. Er oder sie muss die Ziele und Leitsätze des Caritasverbandes umsetzen. Ich wünsche dem gesamten Vorstandsteam schon jetzt alles Gute und Gottes Segen.
Welchen Herausforderungen wird Ihr Nachfolger im Caritas-Vorstand sich stellen müssen?
Hengstermann Die sozialen Fragen unserer Gesellschaft, die uns auch in Zukunft bewegen werden, sind die Themen Armut, Teilhabe von benachteiligten Menschen, Stärkung von Kindern und Familien, die demografische Entwicklung und die Integration von Langzeitarbeitslosen und Menschen mit Behinderung. In diesem Spannungsfeld wird sich die Caritas auch in Zukunft für Benachteiligte einsetzen und engagieren.
Wie sehen Ihre Planungen für den Ruhestand aus?
Hengstermann Konkrete Pläne habe ich noch nicht. Ich freue mich aber darauf, mich zukünftig ehrenamtlich zu engagieren. Ich bin sicher, dass sich neue Tätigkeiten finden lassen, die meiner Energie und meiner Lebenssituation auch entsprechen.
Worauf sind Sie besonders stolz bei der Caritas?
Hengstermann Ganz klar: Auf die 3000 Menschen, die sich hauptberuflich und ehrenamtlich für die Caritas engagieren. Sie leisten qualifizierte Arbeit, sind den Menschen zugewandt und hoch engagiert. Ich bin sehr dankbar, in einem so engagierten Team arbeiten zu dürfen.
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