Geldern: Ärzte protestieren
VON MICHAEL KLATT - zuletzt aktualisiert: 04.05.2009Geldern (RPO). Ihrem Unmut über die Gesundheitsreform machen Mediziner aus Wachtendonk, Wankum und Herongen Luft. Deshalb sind sie eine Woche lang nur eingeschränkt dienstbereit.
Wachtendonk / Herongen Nur eingeschränkt dienstbereit sind die Arztpraxen in Wachtendonk, Wankum und Herongen vom 18. bis 22. Mai. Die Mediziner machen mit bei der bundesweiten Protestwoche der Ärzteschaft. "Wir wollen mit dieser Aktion ein Zeichen setzen", sagt Dr. Klaus Dellmann aus Wankum. Wie viele seiner Kollegen hat er die Nase voll von dem, was im Gesundheitswesen läuft. Budgetierung, Gängelung, eCard, Honorierung, Torpedierung des Vertrauensverhältnis Arzt/Patient, Verschleierung des Mangels, das sind einige Stichworte.
Mit ihrem Protest wollen die Ärzte den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung ihren Unmut verdeutlichen. Damit die Patienten unter der Aktion nicht über Gebühr leiden müssen, ist für die Woche ein besonderer Dienstplan ausgearbeitet worden (siehe Info).
Notdienstplan
Regelung Notfallsprechstunden finden jeweils von 10 bis 12 Uhr statt. Die Dienste gehen über 24 Stunden von 8 bis 8 Uhr.
18. Mai Dr. Wolfers, Wachtendonk, Tel. 02836 7676
19. Mai Fr. Sprada, Wankum, Tel. 02836 91430
20. Mai Dr. Dellmann, Wankum, Tel. 02836 91430
21. Mai Dr. Carls, Herongen, Tel. 02839 1743
22. Mai Dr. Kiss, Wachtendonk, Tel. 02836 7676
Dienst am Samstag und Sonntag, 22. und 23. Mai, hat Dr. Kiss.
Jüngster Aufreger
Jüngster Aufreger für die Doktoren ist die geplante Einführung der eCard (die RP berichtete). Durch diese elektronische Gesundheitskarten befürchten sie den "gläsernen Patienten" und Datenmissbrauch, ohne dass es zu einem Informationsgewinn käme. Außerdem blieben durch den Kauf neuer Lesegeräte die Praxen auf Kosten von jeweils 1000 Euro sitzen. Zurückhaltend stehen die Ärzte offensichtlich im gesamten Gebiet der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein dem neuen Speichermedium gegenüber. Dellmann berichtete von erst 180 Bestellungen beziehungsweise Auslieferungen von Lesegeräten. Offizielle Stellungnahmen gebe es bisher nicht. "Wir in Wachtendonk Wankum und Herongen warten zunächst den Mai noch ab, um im Juni über das weitere Vorgehen bezüglich der eCard zu entscheiden."
Kritikwürdig ist den Ärzten bei der Schritt für Schritt umgesetzten Gesundheitsreform vor allem die Neugestaltung des Honorierungssytems, Darin sehen sie ein Honorardumping eingebaut, speziell im Versorgungsbereich Nordrhein. Dellmann: "Ich als Internist und Hausarzt bekomme pro Patient und Quartal für kurative Medizin jetzt aktuell 35 Euro und etwas. Egal, wie häufig der Patientenkontakt, wie aufwändig oder nicht aufwändig das Krankheitsgeschehen ist." Erstaunlich, aber nicht erfreulich, finden Dellmann und seine Kollegen unter anderem auch, dass ihr Budget für Medikamente in diesem Jahr gegenüber 2008 abgesenkt wurde.
Mit der Budgetierung werde der Mangel verschleiert, kritisieren die Mediziner. Und dann müssten die Ärzte und deren Helferinnen verärgerten Pflichtversicherten die Kürzungen auch noch erklären und sich deren Unmut anhören. "Hier wird uns massiv Zeit gestohlen", erklärt Dellmann.
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