Geldern: Airport schränkt Flugzeiten ein
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 22.04.2009Geldern (RPO). Die Bezirksregierung zollt dem Rechtsstreit um den Flughafen Weeze Tribut und kürzt die Betriebszeiten. Ab sofort dürfen Maschinen nicht vor 6 Uhr starten. Mit Eilanträgen hatten Kläger derartige Änderungen gefordert.
kreis kleve Die Bezirksregierung Düsseldorf als Genehmigungsbehörde des Airports Weeze hat den Rotstift angesetzt. Seit dieser Woche sind Starts und Landungen nur noch zwischen 6 und 22 Uhr erlaubt. Für die in Weeze stationierten Fluggesellschaften – Ryanair und Hamburg International – gelten erweiterte Zeiten. Sie können zwischen 5.30 und 23.30 Uhr starten und landen. In Notfällen sind Flugbewegungen bis 24 Uhr möglich.
Eine Ausnahme bildet ein Mallorca-Flug von Hamburg International. Weil das Unternehmen keine anderen Flugzeiten in Palma erhält, ist in der neuen Betriebs-Regelung festgesetzt, dass dieser Flug einmal wöchentlich um 5.15 Uhr starten darf. Bislang galten Betriebszeiten zwischen 5 Uhr und Mitternacht. Ein Punkt, der im seit Jahren dauernden Rechtsstreit um den Airport Weeze mehrfach kritisiert wurde. Zuletzt hatten Kläger drei Eilanträge beim Oberverwaltungsgericht Münster eingereicht, mit denen sie kürzere Zeiten erstreiten wollten (die RP berichtete). Über die Anträge wurde laut Gericht noch nicht entschieden.
Monatszahlen
Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen meldet für den Airport Weeze ein Passagierplus von 46,7 Prozent für den Monat März. Damit ist der Airport Weeze neben Lübeck (plus 6,9 Prozent) der einzige Flughafen, der einen Zuwachs verzeichnet. Knapp 433 000 Passagiere nutzten Weeze im März.
Das Oberverwaltungsgericht hatte dem Airport im Januar 2006 die Betriebserlaubnis entzogen. In höherer Instanz verwiesen Bundesverwaltungsrichter das Verfahren im vergangenen Jahr nach Münster zurück. Dort soll geprüft werden, ob die Bezirksregierung die als fehlerhaft eingestufte Betriebsgenehmigung nachbessern kann. Der Betrieb des Flughafens geht derweil weiter.
"Wir verlieren Potenzial"
Die Bezirksregierung möchte mit den Kürzungen die Erfolgschancen vor Gericht erhöhen. "Wir haben das vorauseilend so geregelt, bevor ein Gericht das so entscheidet", sagt Bernhard Hamacher, Sprecher der Bezirksregierung. Die "eigene sachliche Einschätzung" der Situation habe zu der Entscheidung geführt. Airport-Geschäftsführer Ludger van Bebber steht den Kürzungen skeptisch gegenüber: "Natürlich verlieren wir Potenzial", sagt er. Inwiefern sich das auf den Erfolg des Flughafens auswirkt, könne er nicht abschätzen. Fraglich ist, ob der Airport beispielsweise für den Fracht-Sektor bei kürzeren Betriebszeiten überhaupt noch interessant ist. Von Gesprächen mit AFC, jenem Fracht-Anbieter, der ab Juni in Weeze starten wollte, gebe es noch kein Ergebnis zu vermelden.
Weezes Haupt-Kunde Ryanair hat seinen Flugplan bereits angepasst, spät landende Maschinen wurden vorverlegt. Flugzeuge, die vor 6 Uhr starten sollten, heben später ab. Für das Engagement des irischen Billigfliegers in Weeze ergäben sich derzeit keine Änderungen, erklärte Sprecherin Anja Seugling.
"Entspricht Ryanair-Flugplan"
Heike van Straelen, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft gegen Fluglärm und eine der Eilantrag-Stellerinnen, findet die Kürzungen "lachhaft", da sie "genau dem Flugplan von Ryanair" entsprächen. Sie sieht dennoch einen "kleinen Fortschritt" und die eigene Position bestätigt. Die Kürzungen gehen ihr aber nicht weit genug, sie will einen eingeschränkten Flugbetrieb auch am Wochenende erreichen.
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