Geldern: Aldekerker feiern 600 Jahre Schützen und Karneval
VON JULIA KÄMPKEN - zuletzt aktualisiert: 28.01.2008Geldern (RPO). ALDEKERK Zwanzig Minuten vor Zugbeginn um 14.11 Uhr waren die Straßen von Aldekerk gestern noch wie leer gefegt. Nur vereinzelt fand sich eine Luftschlange oder huschte ein Superman in die nächste Kneipe. Doch pünktlich, bevor „de Zoch kütt“, füllten sich die Straßen. Ob vor 600 Jahren auch schon Narren auf den Zug warteten, ist nicht bekannt. „600 Joar genau, Allekirsche Schütze – Helau!“ wünschten die stolzen Jubilare der Vereinigten St. Sebastianus und Paulus Bruderschaft. „Der Zug kommt nicht durch, der steckt jetzt schon fest“, beobachtete ein Karnevalist voller Sorge bereits kurz nach dem Start. Doch wer sechs Jahrhunderte überstanden hat, der lässt sich vom Stau nicht aus der Ruhe bringen – und schmeißt sogar Pralinen.
Eigenes Karnevalslied
Die Damen der Karnevalsgemeinschaft „Allekirkscher Jongs on Mädsches“ ließen sich nicht lange bitten, und nach kräftigem „Helau!“ regnete es Schokolade und Bonbons. Zwar stand der Zug in der Bruchstasse einige Zeit still, doch Langeweile gab es am Straßenrand nicht. Es wurde einfach der eigene Karnevalshit angestimmt: „Hier bei uns da ist was los, das ist Karneval in Kerken“.
Gegen 14.40 Uhr konnte der Motor des Fendtschen Dieselrosses angelassen und die mittelalterliche Narrenburg der St.-Sebastianus-Bruderschaft weitergezogen werden. Vor 600 Jahren wäre bestimmt niemand auf die Idee gekommen, in Kerken eine Moschee zu bauen, wie die Eyller es am Sonntag verkündeten.
Schönstes Burgfräulein?
Wer wohl die schöneren Burgfräulein hat, überlegte sich der Aldekerker Turnverein ganz modern mit einem „Miss Sports Competition“ und machten den „Devils United“ mit ihren teuflisch kurzen Röckchen Konkurrenz. Das Kegeln gibt es schon seit der Antike, da können sich die Aldekerker Vereine ruhig aktuellen Problemen widmen: „20 Prozent auf alles, außer Treibstoff!“ wurde in Anspielung auf die Tankstelle an der B 9 gescherzt. Wer sich sein Auto nicht mehr leisten kann, dem hätten in Ludolfs Kegelbrüder vom Schrottplatz gerne geholfen. Ob modern oder mittelalterlich, hoffentlich wird es Karneval und Schützen in Kerken auch in 600 Jahren noch geben.
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