Kreis Kleve: Alfons A. Tönnissen gestürzt
VON JÜRGEN LOOSEN UND ULLI TÜCKMANTEL - zuletzt aktualisiert: 20.04.2007Kreis Kleve (RPO). Die CDU-Mittelstandsvereinigung des Kreises tagte nichtöffentlich in Geldern. Der Klever Kreisvorsitzende wurde nach 15 Jahren im Chefsessel mit 25:17 Stimmen ohne Gegenkandidat abgewählt. Neuwahlen wurden vertagt.
Die Wahl wurde als „geheime Kommandosache“ gehandelt, der Sturz ist seit gestern öffentlich: Hinter verschlossenen Türen trafen sich die Mitglieder der CDU-Mittelstandsvereinigung des Kreises Kleve in Geldern, um die bereits einmal abgeblasene (und sowieso schon verspätete) Neuwahl des Kreisvorstands über die Bühne zu bringen.
Das Ergebnis: Nach 15 Jahren an der Spitze der Kreis-MIT wurde der Klever Unternehmer Alfons A. Tönnissen mit dem Stimmergebnis von 25:17 abgewählt. Und das ohne Gegenkandidaten und trotz der Einschränkung, er werde nur ein Jahr im Amt bleiben, um die Nachfolgefrage zu regeln.
„Intrigantenstadl“
Das sagt Pofalla
Der Kommentar des CDU-Kreisparteivorsitzenden Ronald Pofalla zur Abwahl von Alfons A. Tönnissen: „Das ist eine interne Angelegenheit der MIT des Kreises. Aber das Ergebnis zeigt, dass die MIT einen Neuanfang im Vorsitz braucht, da Alfons A. Tönnissen offensichtlich nicht mehr das Vertrauen der Mitglieder genießt. Ich gehe davon aus, dass die MIT bis zu ihrer Mitgliederversammlung in wenigen Wochen die Weichen für einen personellen Neuanfang stellt.“
Nach dem Wahlgang, bei dem sich der Norden mit Kleve und Goch an der Spitze offenkundig gegen den Süden durchgesetzt hatte, brach der Gelderner MIT-Chef Stefan Wolters die Versammlung ab. Die Neuwahl soll später über die Bühne gehen, der Termin steht noch nicht fest.
Der Hintergrund für den Streit der Mitglieder aus Kleve und Goch mit Tönnissen liegt in einem Exklusiv-Interview der RP Kleve mit dem Gocher MIT-Vorsitzenden Josef Krings über den Klever Unternehmerpreis. Die Informationen hatte Krings seiner Auskunft nach von Tönnissen, der das seinerseits aber abstritt und von einem „Intrigantenstadl“ sprach.
Die Vorstände aus Kleve und Goch setzten sich, so RP-Informationen, nach der Krings-Entschuldigung zusammen, der Klever MIT-Chef Helmut Tönnissen forderte seinen Namensvetter öffentlich zum Rücktritt auf. Der fand nicht statt, dafür kam es jetzt zur geheimen Abwahl, obgleich dem Vernehmen nach im Süden die Werbetrommel für ein Verbleiben im Amt gerührt worden war.
Für den Gelderner CDU-Vorsitzenden Stefan Wolters ist das Scheitern des Plans mindestens peinlich. Im Vorfeld seiner eigenen Wiederwahl Mitte März als Chef der Gelderner CDU (459 Mitglieder) war Wolters wochenlang durch die Ortsverbände getourt und hatte sein Bemühen um eine Wiederbelebung der MIT im Kreis-Süden.
Stolz wies Wolters jeweils darauf hin, der MIT-Chef Tönnissen habe ihm zugesagt, unterstützend die Kreismitgliederversammlung in Geldern stattfinden zu lassen.
Der Versuch, Tönnissen im Süden die fehlenden Stimmen zu beschaffen, ging daneben. Statt für einen öffentlichkeitswirksamen Auftritt, den Tönnissen zur Verhinderung seiner Abwahl im Februar abblies, zeichnet Wolters nun für eine Polit-Panne im Hinterzimmer verantwortlich.
Und: Nach RP-Informationen wurden mehrere MIT-Mitglieder zur Hinterzimmer-Versammlung nicht eingeladen. Wie die RP weiter erfuhr, soll es (mindestens) zwei Kandidaten als Nachfolger geben: Neben dem Klever Chef Helmut Tönnissen soll auch der frühere Gocher Bürgermeister Rudolf Lange Interesse haben.
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