Gelderland: Alles – nur nicht Samstag
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 14.08.2007Gelderland (RPO). Der Plan von Schulministerin Barbara Sommer, eine Sechs-Tage-Woche einzuführen, stößt im Gelderland auf Widerstand. In Kevelaer testet die Hauptschule schon eine interessante Idee für den Nachmittagsunterricht.
Das Schulministerium NRW liegt gut 50 Kilometer vom Gelderland entfernt. In der Frage, ob in den hiesigen Schulen samstags unterrichtet wird, aber scheinen es Welten zu sein. Eine RP-Umfrage unter den Schulleitern von Straelen bis Kevelaer ergab gestern, dass die mögliche Sechs-Tage-Woche wenig Freunde besitzt. Den Argumenten von Schulministerin Barbara Sommer – ein Stundenplan mit Samstagsunterricht entspreche eher der Leistungskurve eines Schülers und die Arbeit werde für Lehrer so entspannter – setzen die Pädagogen aus dem Gelderland deutliche Argumente entgegen.
Samstags arbeiten statt lernen
Nächste Schritte
Vorgabe Die Landesregierung überlässt den Schulkonferenzen die Entscheidung, ob es Samstags- oder Nachmittagsunterricht gibt.
Verfahren Die Schulen diskutieren in den nächsten Wochen in Lehrer-, Schul- und Schulleiterkonferenzen. Einige planen darüber hinaus eine Befragung der betroffenen Eltern.
Die Gemeinschaftshauptschule in Kevelaer arbeitet gezielt auf Nachmittags- statt Samstagsunterricht hin. „Bis zu den Herbstferien testen wir einmal pro Woche, ob eine Schülerfirma die Verpflegung übernehmen kann“, berichtet Schulleiter Ralph Lenninger. Die Schule habe seit Jahren gute Erfahrungen gesammelt, Wahlpflichtfächer und Sport in den Nachmittagsstunden zu unterrichten.
Trude Ulrichs, stellvertretende Leiterin des Gymnasiums in Straelen, begründet die mehrheitlich ablehnende Haltung mit praktischen Problemen. „Der Samstag ist der einzige Tag, an dem die Oberstufenschüler jobben gehen können, den wollen wir ihnen nach Möglichkeit erhalten.“ Die Kollegen benötigen das Wochenende, um Arbeiten zu korrigieren. Für den sechsten Schultag in der Woche spricht vorrangig die Busverbindung nach Kerken und Wachtendonk. Der letzte Bus fährt in der Woche um 15 Uhr, danach ist kein Nachmittagsunterricht mehr möglich.
Peter Bappert von der Realschule an der Fleuth in Geldern führt vor allem soziale Gegenargumente an. „Eine Sechs-Tage-Woche reißt riesige Löcher in die Freizeit der Schüler. Viele von ihnen treiben am Wochenende Sport oder betreuen jüngere Mannschaften in ihrem Verein, die samstags schon mittags spielen.“ Bei „Patchwork-Familien“ entstünde zudem das Problem, dass Kinder einen Tag verlören, den sie sonst beim anderen Elternteil verbrächten. „Das Schulministerium sollte lieber Nägel mit Köpfen machen und flächendeckend die Ganztagsschule einführen“, sagte Bappert.
In Richtung Nachmittagsunterricht denken auch die übrigen Gelderner Schulleiter. Im Oktober kommen sie zu einer Konferenz zusammen und überlegen, wie sie die achten, neunten und zehnten Stunden einschließlich Mittagessen vernünftig organisieren können. „Wir verfolgen die Debatte mit abwartender Skepsis“, sagt Dr. Hubert Fischer, Direktor des Lise-Meitner-Gymnasiums.
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