Geldern: Ana Popovic zelebriert die Gitarrenhölle
VON NORBERT HEMMERSBACH - zuletzt aktualisiert: 06.02.2012Geldern (RP). Wo ist Ana? Es ist nur noch eine halbe Stunde bis zum Auftritt von Ana Popovic im "Muddy-Waters-Saal" in der Gaststätte "Zur Niersbrücke". Für den Culturkreis Gelderland gibt es nichts mehr zu tun, es beginnt die Zeit des Wartens, die Musiker und Organisatoren so sagenhaft hassen.
"Viele Jahre mache ich das nun schon", sagt Willi Teloo, "aber daran hat sich nichts geändert. Es ist ein nervöser Zustand, so ein Kribbeln." Dann hört er drei Worte, die von Felix Pickers aus seinem Handy kommen. "Wo ist Ana?" Die Blues-Sängerin ist mit ihrer Band noch nicht da. Die Veranstalter werden immer nervöser.
Auf der Autobahn schneit es. Weil das absehbar war, waren die Musiker in Amsterdam schon früh losgefahren. Nach acht endlosen Stunden hievten sie um 21 Uhr in Geldern endlich ihre Instrumente aus dem Tourbus.
Ein paar Jungs in Jeans und T-Shirts brauchten 30 Minuten zum Aufbau, absoluter Rekord. Dann explodierte Ana Popovic, die in Serbien aufgewachsen ist, auf der Bühne des "Muddy-Waters-Saals". Es stimmt: Keine Blues-Sängerin ist so leidenschaftlich wie sie. Keine in Europa so amerikanisch. Sie stellte sich hin und sang, als stünde sie unter Strom und hätte es darauf abgesehen, ihren zahlreichen Anhängern, die laut klatschten, einen Schlag zu versetzen.
Ganz wunderbar, denn singen kann sie. Ihre Perfektion hat viel mit der Qualität ihrer Band zu tun, die mitreißend spielte. Ronald (Bass), Stephane Avellaneda (Drums) und Michele Papadia (Orgel) zeigten, dass sich ihre Musik immer noch prima spielen lässt. Ihre Begeisterung übertrug sich schnell auf die Zuhörer, die fast alle ihre Stücke kannten. Einiges hat sich in den vergangenen Jahren ebenfalls nicht verändert: Ana Popovic ist immer noch attraktiv und nett. Dass sie ihre CD nach dem Konzert im Glitzerkleid verkaufte, ist nur konsequent.
Da hat man denn nun auch Ana Popowic gesehen – die Blues-Sängerin, die ihre Gitarre an der Hörsturzgrenze jaulen ließ und drei Stunden lang in einer Gitarrenhölle umherirrte, während Stephane Avellaneda immer weiter trommelte.
Die Band, die den Blues so hart und laut spielt, begann im übrigen ihre Tournee in Helsinki und wird nach dem Auftritt in Geldern in Brüssel und Mumbai (Indien) gastieren. Dass sie zwischendurch bereits zum zweiten Mal in Geldern auftrat, freute den Culturkreis Gelderland. Vor Begeisterung gerieten die Zuhörer fast aus dem Häuschen. Das gilt aber auch für Denis Görtz, der vor dem Auftritt von Ana Popovic zwei Songs vortrug, und die hörten sich richtig gut an.
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