Geldern: Angst vor Tuberkulose
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 21.10.2006Geldern (RPO). Eine Schülerin der Gelderner Realschule am Westwall wird wegen der Infektionskrankheit in einer Moerser Klinik behandelt. Eltern sorgen sich, doch der Kreis sieht keine große Ansteckungsgefahr. Eine 15-jährige Schülerin der Realschule am Westwall ist an offener Tuberkulose erkrankt. Wie Eduard Großkämper, Sprecher des Kreises Kleve, bestätigte, wurden gestern bereits mehr als 80 Mitschüler „rein vorsorglich“ untersucht.
Das Ergebnis dieses Tests stehe erst in der kommenden Woche fest, doch auch dann sei eine konkrete Aussage zur Ansteckung schwierig: Die Inkubationszeit beträgt bis zu einem halben Jahr. Laut Kreisgesundheitsamt sei die Gefahr einer Ansteckung in diesem Fall jedoch „äußerst gering“.
Die Schülerin sei in den Herbstferien erkrankt und danach nicht mehr in der Schule gewesen. „Es gibt keinen Grund, weitere besondere Maßnahmen zu ergreifen“, so Großkämper. Wo die 15-Jährige sich angesteckt haben könnte, sei nicht geklärt.
Mitschüler wurden untersucht
Schulleiter Hans-Rainer Tebke sagt, dass „alle Beteiligten“ umgehend benachrichtigt worden seien. „Wir haben direkt informiert und Schüler untersuchen lassen“, so Tebke. Auch Eltern hätten Informationen erhalten. Das sieht die Mutter eines Zehnklässlers anders. „Wir wissen davon nichts, haben es erst erfahren, als heute unsere Kinder davon erzählt haben“, ärgert sich die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Ihr Kind sei nicht untersucht worden, weil es offenbar nicht zum direkt betroffenen Personenkreis gehörte. „Aber die hatten untereinander doch alle Kontakt“, ist ihre Sorge. Zudem geistere ein Gerücht durch die Schule: Das erkrankte Mädchen habe bereits vor den Sommerferien angeblich „Blut gespuckt“. Auch andere Eltern seien sehr besorgt.
Gemeldete Fälle
Struktur Offene Tuberkulose-Erkrankungen sind meldepflichtig. Wie Kreis-Sprecher Eduard Großkämper berichtet, liegt die Erkrankungsrate im Kreis Kleve unter dem Landesdurchschnitt – was vor allem mit der ländlichen Struktur zu tun habe.
Zahlen In diesem Jahr wurden im Kreis bisher sechs Fälle gemeldet, im vergangenen Jahr waren es 20 Fälle, 2004 wurden 15 Erkrankte bekannt, 2003 waren es 14. In ganz Deutschland erkranken rund 10 000 Menschen jährlich.
Nur bei sehr nahem Kontakt
Großkämper sieht dafür keinen Grund: „Wir sind sehr schnell aktiv geworden. Außerdem ist eine Übertragung des Bakteriums nur bei sehr nahem und langem Kontakt möglich.“ Nicht jeder werde infiziert, und „nur fünf Prozent der Infizierten erkranken dann auch tatsächlich“. Daher müsse man „nicht davon ausgehen, dass eine Gefahr für andere Schüler besteht“. Die Kinder, die gestern bereits getestet wurden, würden am Dienstag noch einmal untersucht. Die Stadt Geldern als Schulträger hat sich nach eigenen Angaben beim Kreisgesundheitsamt informiert, ob im Bereich der Schule „Desinfektionen oder ähnliche Maßnahmen“ nötig seien. Dies sei jedoch nicht der Fall.Über den Gesundheitszustand des Mädchens wurde gestern nichts bekannt.
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