Issum: Anna Sprenger lebt seit 100 Jahren in Sevelen
VON BIANCA MOKWA - zuletzt aktualisiert: 23.02.2012Issum (RP). Wer Anna Sprenger heute Blumen schenkt, kann nichts verkehrt machen. Schließlich feiert die Sevelenerin ihren 100. Geburtstag – und sie liebt Blumen.
An ihre Jugend erinnert sich die Jubilarin noch gut: Den Kaiser Wilhelm II. habe sie nicht mehr erlebt, sagt sie. "Als ich 1918 in die Schule kam, hatte der bereits abgedankt." Ihre Schule – es war die Volksschule nahe der katholischen Kirche in Sevelen – gibt es längst nicht mehr.
Auch sonst habe sich viel verändert in ihrem Heimatdorf, meint Anna Sprenger. "Die Einwohnerzahl hat sich bestimmt verdoppelt." Wo früher Kühe auf Wiesen grasten und der Mais sich im Wind bog, stehen heute Häuser. Das gilt auch für die Umgebung ihres Elternhauses. Es steht auf der Ecke der Issumer Straße im "Hexenland". Dort wuchs die Jubilarin als jüngstes von acht Geschwistern auf. Einen Namen machte sich die Familie mit ihrem Lebensmittelgeschäft.
"Das war der schönste Laden im Ort", schwärmt die Sevelenerin. Angefangen hatte ihre Mutter 1928 mit dem Verkauf von Tabak und Zuckerwaren. "Dann wollte eine Frau Persil haben, das Angebot wurde immer größer", erinnert sich die 100-Jährige. Radfahrer hielten gerne an, um ein gekühltes Bier zu kaufen. Schwester Berta übernahm das Geschäft von der Mutter. Mit dem Aufkommen der großen Supermärkten begann das Ende des kleinen Lebensmittelgeschäftes. Die Bushaltestelle mit dem Namen "Sprenger" erinnert bis heute an diese Zeit.
Die Jubilarin ist gelernte Lebensmitteleinzelhändlerin, konnte aber aufgrund ihres guten Schulzeugnisses 1942 bei der Verwaltung in Sevelen anfangen – unter Bürgermeister Wilhelm Bühner. Nach der kommunalen Neugliederung 1967 ging es für die Sevelenerin nach Issum. Bis 1972 war die Verwaltung ihr Arbeitsplatz. Gerne erinnert sie sich an den ersten Besuch der gleichnamigen Partnergemeinde in der Schweiz 1958. Die Berge hätten sie schon immer angezogen. Trotzdem konnte sie sich nie vorstellen, woanders als im niederrheinischen Sevelen zu leben.
Bei ihren Spaziergängen habe sie stets eine Rosenschere im Rollator dabei, verrät Anna Sprenger. Mit gesammelten Feldblumen gestaltet sie filigrane Bilder. Ein weiteres Hobby ist das Töpfern. Das passt, immerhin ist ihr Heimatort fürs dieses Handwerk bekannt. Ehrensache, dass sie für Sevelens Töpferdenkmal gespendet hat. Die 100-Jährige ist auch aktives Mitglied im Verein der Natur- und Heimatfreunde. Wer sie sieht, vermutet auch keine dreistellige Zahl zu ihrem Geburtstag. "Ich fühle mich auch erst wie 80", gibt die Blumenfreundin gut gelaunt zu.
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