Geldern: Bahnhof entzweit Opposition
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 17.07.2008Geldern (RPO). Von der FDP-Forderung, das Projekt Bahnhofsumfeld in Geldern zu stoppen, distanziert sich SPD-Chef Hermann-Josef Eicker deutlich. Die Liberalen zeigen sich irritiert, die CDU applaudiert.
Ein merkwürdiges Bild im Gelderner Stadtrat: Der SPD-Vorsitzende Hermann-Josef Eicker redet, die CDU-Mitglieder klatschen. Und zwar nicht, weil Eicker gerade die CDU-Spitze für Weisheit und Weitsicht gepriesen hätte, sondern weil er eine FDP-Forderung gegen die Entwicklung des Bahnhofsumfelds kontert.
Die Widerrede gegen die Positionen der FDP übernimmt normaler Weise die Mehrheitsfraktion CDU, während die Sozialdemokraten vor allem in jüngster Zeit viele gemeinsame Ansichten mit den Liberalen fanden. Die Bündnisse bei der Kommunalwahl im kommenden Jahr scheinen damit wieder offen.
Internetseiten
SPD Unter www.spd-geldern.de steht die Entgegnung von Hermann-Josef Eicker zur FDP-Kritik. In der Rubrik Gästebuch stehen die Beiträge von Stefan Bellgardt und Ulla Lemmens mit Erklärungen des Administrators.
FDP Die Position der Liberalen ist auch unter www.fdp-geldern.de zu lesen.
Ausgangspunkt für den Konflikt ist ein Interview, dass der FDP-Fraktionschef Stefan Bellgardt unserer Zeitung gegeben hat. Darin forderte er wegen der steigenden Kosten einen Stopp des Projekts Bahnhofsumfeld nach dem Bau von Polizei und Finanzamt. Außerdem fragte er, wie die SPD das Projekt Bahnhofsumfeld unterstützen könne, wenn die Kosten dafür so hoch seien, dass nur Besserverdiener dort leben könnten.
Duell im Internet
Diese Provokation wollten sich die Sozialdemokraten offenbar nicht gefallen lassen. Deshalb machte Eicker den Unterschied in dieser Frage sehr deutlich. „Es gibt in dieser Frage nur ein Entweder-oder. Entweder man lehnt das Projekt ab oder man entwickelt es vernünftig.“
Auf den Bahnflächen könne ein neuer Stadtteil nur entstehen, wenn eine geeignete Infrastruktur vorhanden wäre. Sonst könne man keine Interessenten anlocken. Zur geeigneten Infrastruktur zähle auch die Bahn-Unterführung, sagte Eicker.
Die Nachbereitung der Rede verschärfte die Auseinandersetzung noch. Bellgardt und seine Parteikollegin Ulla Lemmens versuchten, im Gästebuch auf der Internetseite der SPD ihre Meinung kund zu tun. Vorerst erhielten sie nur die Rückmeldung, der Administrator der Internetseite müsse ihren Eintrag erst freischalten.
Der Administrator, Rolf Schumacher, erklärte, diese Funktion schütze das Gästebuch vor politisch extremen Einträgen. Er sei wegen der Ferienzeit noch nicht zur Kontrolle der neuen Einträge gekommen. Nach der RP-Anfrage schaltete er die Einträge frei.
Dort schreibt Bellgardt nun an Eicker: „Deine sonst von mir so geschätzte Besonnenheit lässt Du seit einigen Jahren, was das Steuergeldgrab angeht, missen. Ich finde es schade, dass Du mit uns nicht im Vorfeld zur gestrigen Sitzung das Gespräch gesucht hast, allerdings musst Du nun auch mit den Folgen Deines Handelns leben.“
Das klingt nicht nach einem gemeinsamen Bürgermeister-Kandidaten. Eicker betont deshalb auch die andere Seite: „Es geht hier um die ehrliche Auseinandersetzung in einer Sachfrage. Im übrigen haben wir zuletzt viele Gemeinsamkeiten gefunden, und das ist richtig und gut so.“
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