Wachtendonk: Bauern entdecken neue Märkte
VON KATHARINA SCHMÜLLING - zuletzt aktualisiert: 08.08.2009Wachtendonk (RPO). Der Familien-Bauernhof Cox in Wankum hat sich etwas einfallen lassen: Vor dem Hof steht jetzt ein Milchautomat. Damit soll sie eine Nische gefüllt werden. Der Vollerwerbsbauernhof Maas lockt mit Freizeitpädagogik.
Milchbauern haben es derzeit nicht leicht: Der Markt ist hart umkämpft. Das merken auch die Bauern vor Ort. Familie Cox hat sich etwas ausgedacht, womit sie hofft, langfristig etwas zusätzlich verdienen zu können. Seit Anfang Mai steht vor dem Hof der Familie an der Aerbecker Straße in Wankum ein 24-Stunden-Milchautomat.
"Für 60 Cent pro Liter kann sich jeder, der vorbeikommt, bei uns Milch abzapfen", erklärt Milchbauer Cox. Rohmilch direkt aus dem Euter: Der kleine Kundenstamm des Familienbetriebs sei davon jedenfalls schon begeistert, so Cox. Auf Dauer müssen Matthias und Margret Cox aber noch ein paar private Abnehmer dazu gewinnen. "Ich habe Werbung gemacht und einige Flyer gedruckt und verteilt", sagt der 48-Jährige.
So funktioniert's
Der Milchautomat steht auf dem Hof der Familie Cox, Aerbecker Straße 1, Wankum.
Er gibt 24 Stunden lang Milch ab.
Ein Gefäß sollte selbst mitgebracht werden.
Ein Liter Rohmilch (sie sollte zu Hause dann noch abgekocht werden) kostet 60 Cent.
Bei der Ferienfreizeit vom Bauernhof Maas sind noch Plätze frei. Infos unter www.bauernhof-maas.de.
Einfache Rechnung
Die Rechnung der Cox' klingt relativ einfach: Rund 10 000 Euro haben sie investiert – 5 000 Euro für die Maschine und 5 000 für das kleine Holzhäuschen, in dem sie untergebracht sind. Über zehn Jahre soll die Investition abgeschrieben werden. "Ich bekomme beim Verkauf an den Endverbraucher ungefähr 35 Cent mehr pro Liter als in der Molkerei", sagt Cox. "Ich müsste also 30 bis 40 Liter pro Tag verkaufen, um es wirtschaftlich betreiben zu können." Sein Hauptabnehmer bleibt aber die Molkerei. "Der Direktverkauf macht nur ein bis zwei Prozent aus." 65 Kühe stehen im Stall des Bauernhofs.
Heinz Lax von der Kreisbauernschaft findet die Idee mit dem Milchautomaten "eine tolle Sache". Allerdings sei das eine Nische, die auch nur ein Landwirt in einer Region ausfüllen könne. Im Normalfall sei eine gezielte Marktstrategie allerdings kaum möglich. "Wir sind stark abhängig von den Marktpreisen", so der Ferkelzüchter. "Da können wir kaum Einfluss nehmen."
Selbstmarketing – das ist auch für viele Landwirte kein Fremdwort mehr. So bietet der Spargelhof von Erika und Franz Allofs in Walbeck an, den Spargel per Express direkt ins Haus zu liefern und macht Reiseangebote. Willi Maas ist Landwirt aus Leidenschaft, seine Frau Maria kümmert sich auf dem Vollerwerbsbauernhof Maas um zusätzliche Angebote vor allem für Kinder: Schlafen im Heu, Klassenfahrten oder Ferienfreizeit. "1997 hat die Schweinepest einen Teil unseres Betriebs lahmgelegt", erinnert sich Willi Maas. Da wurde klar: "Es ist zu riskant, nur auf einem Bein zu stehen." Für seine Frau hat das Konzept einen weiteren Vorteil: "Ich kann so auch meine Talente richtig ausleben."
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