Geldern: Bei Ruwel rumort es
VON TOBIAS DUPKE - zuletzt aktualisiert: 29.11.2007Geldern (RPO). Ein halbes Jahr nach der Entlassung von rund 120 Mitarbeitern braut sich beim größten Arbeitgeber Gelderns wieder ein Streit zusammen. Diesmal geht’s ums Geld. Das Wort Streik macht in der Belegschaft schon die Runde.
Beim Geld hört die Freundschaft auf. Sie ist zwischen der Belegschaft der Firma Ruwel und der Investorengruppe Bear Stearns, BlueBay Asset Management und Cargill Value Investment nach den Entlassungen im Sommer sowieso schon extrem belastet. Jetzt drohen weitere Risse.
Schuld daran ist die unterschiedliche Vorstellung beim Thema Lohn. Der Haus-Tarifvertrag, der laut Ruwel-Betriebsrat im Jahresschnitt 17 Prozent unter dem für die Branche üblichen Mittel liegt, läuft Silvester aus. Sollte keine neue Abmachung getroffen werden, greift der Flächen-Tarifvertrag. Die Ruwel-Mitarbeiter müssten auf einen Schlag branchenüblich bezahlt werden. „Wir sind uns nach betriebswirtschaftlichen Prüfungen aber sicher, dass das von der Firma nicht zu stemmen wäre”, erklärt der Geschäftsführer der IG Metall Krefeld, Peter Behr. Er sitzt mit dem Betriebsrat der Gelderner Niederlassung in der Tarifkommission. Behr: „Wir mussten der wirtschaftlichen Situation Rechnung tragen, sind den Investoren entgegengekommen und haben ihnen einen neuen Haustarifvertrag vorgeschlagen.”
Chronologie
Oktober 2005 Ruwel meldet für seine dänische Tochtergesellschaft Insolvenz an und erklärt, sich auf die deutschen Standorte Geldern, Pfullingen, Grassau und Wetter konzentrieren zu wollen.
August 2006 Eine US-amerikanische Investorengruppe übernimmt die Ruwel AG.
September 2006 Ruwel wandelt sich von AG in eine GmbH zurück.
Mai 2007 Ruwel entlässt 120 Mitarbeiter trotz Millioneninvestitionen in den Standort Geldern.
„Mehrarbeit ohne Entlohnung“
Der sieht vor, dass der Lohn bis Ende 2008 auf das Durchschnittsniveau angehoben wird. „Das wären 6,7 Prozent mehr, gestaffelt über das gesamte Jahr. Außerdem setzt der Vorschlag der Tarifkommission die tariflich festgelegte Sonderzahlung wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld noch bis 2009 aus“, sagt Betriebsratsvorsitzender Jürgen Wagenknecht. „Ruwel schlägt uns vor, den Lohn über fünf Jahre anzupassen, die Sonderzahlungen wären gewinnabhängig.“ Der Firmen-Vorschlag sehe außerdem unbezahlte Qualifizierungszeit vor. „Mehrarbeit ohne Entlohnung”, vermutet er.
„Für uns ist das nicht nachvollziehbar”, erklärt Wagenknecht. Die Auftragslage sei gut, die Verlängerung des Sonderwegs um fünf Jahre daher nicht zu rechtfertigen. Gewerkschaftsfunktionär Behr stößt vor allem der Zeitpunkt des Vorschlags sauer auf: „Kurz vor Weihnachten hoffen die Investoren wahrscheinlich, dass die Leute aus Angst um den Arbeitsplatz ihrem Vorschlag zustimmen.”
Die Gewerkschaftsmitglieder in Geldern haben sich am Montag auf einer Versammlung für die Linie der Tarifkommission ausgesprochen. Morgen kommt sie in Frankfurt zusammen, um den Kompromissvorschlag abzusegnen. „Dann heißt es: abwarten. Wir werden kein Ultimatum stellen”, sagt Wagenknecht.
Entschlossen sind die Gewerkschaftler trotzdem: „Wir gehen mit dem Instrument der Arbeitsniederlegung verantwortungsbewusst um – wir haben die Möglichkeit aber bereits thematisiert”, sagt Wagenknecht. „Vor einem Streik werden wir nicht zurückschrecken, zunächst aber wollen wir die Reaktion der Investoren abwarten.”
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