Geldern: Der Drachen ist gelandet
VON ANNETTE SCHEEPERS - zuletzt aktualisiert: 17.08.2007Geldern (RPO). Die Mitglieder des Shibusa Shirazu Orchesters aus Japan haben ihr Quartier für das OffsideOpen-Festival in Geldern bezogen. Vorherige Proben gibt es nicht. Lieber erkunden die Künstler die Stadt und spielen Nintendo.
Die Mitglieder des Shibusa Shirazu Orchesters aus Japan wurden in Deutschland als erstes von der Polizei begrüßt. Nachts um drei kamen die Shibusen im Gelderland an und bezogen ihr Quartier im mittlerweile geschlossenen Kindergarten Don Bosco. Nachbarn, die in dem eigentlich leerstehenden Gebäude plötzlich Licht sahen und Stimmen hörten, benachrichtigten die Beamten.
„Das hatten wir aber schnell geklärt“, sagt Michael Kitz von Moers Music, der die Künstler seit 1999 kennt und in Europa immer wieder betreut und begleitet. Den Tag nutzen die Japaner zum Relaxen. „Wir proben nicht“, sagt die Tänzerin Sayaka Nakada. „Das machen wir nie“, bestätigt Teruto Soejima, der zum Urgestein des Ensembles gehört.
Niemals gleich
Stattdessen schlendern die Shibusen durch die Stadt, um sich den Weg für die Parade, die heute um 17 Uhr beginnt, anzuschauen. Auch das Festivalgelände haben sie schon in Augenschein genommen. „Das Orchester passt die Konzerte immer an die Örtlichkeiten an“, erklärt Kitz.
Er habe von ihnen noch nie zwei Konzerte erlebt, die gleich gewesen seien. Für den Rest des Tages gilt: entspannen. Auf den kleinen Stühlchen sitzen die Shibusen in der Eingangshalle des ehemaligen Kindergartens, rauchen unheimlich viel, trinken Tee oder lümmeln sich auf ihren Feldbetten und spielen über ein drahtloses Netzwerk Nintendo.
Der Koch ist unterwegs, um frische Lebensmittel zu besorgen. Daraus entsteht dann ein lukullischer Mischmasch. Zum Frühstück gibt es, wie in Deutschland, belegte Brote. Der Belag besteht allerdings aus Gemüse und Salat und gegessen wird mit Stäbchen. „An Deutschland gefällt den meisten von uns das leckere Brot und die Wurst. Und Daisuke liebt Kartoffeln“, meint Sayaka Nakada.
Haben die Shibusen einen „lucky charm“ – einen Glücksbringer? „Nicht wirklich“, sagt Nakada. „Doch, der Drachen ist unser Glücksbringer“, widerspricht Soejima. Das Fabelwesen „schläft“ noch, zusammengefaltet in einem riesigen grünen Sack in der Vorratskammer. Neben ihm steht die nicht minder riesige Flasche Helium, die es braucht, um zu schweben. In voller Größe entfaltet der Drache sich auf 15 Meter Länge und fasst fünf Kubikmeter Helium. Und der sorgt ab heute mit den Shibusen für ein abgehobenes Programm.
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