Geldern: Die Landwirtschaft begreifen
VON CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 25.10.2006Geldern (RPO). Familie Reummen nutzt ihren viehwirtschaftlichen Betrieb in Vernum, um sich ein zweites Standbein zu schaffen: Auf dem Hof sollen Kinder die Natur kennen lernen und mitanpacken. Den ersten, die da waren, gefiel’s.
Vernum Georg Reummen kennt die Landwirtschaft. Der 37-Jährige betreibt seinen Hof in Vernum in zweiter Generation – und will nun Kindern zeigen, „wie die Landwirtschaft vom Grundprinzip her ist“. Zusammen mit seiner Frau Miriam, einer Sozialpädagogin, hat er den „Reubaho“ konzipiert – einen Bauernhof, auf dem Kinder mitarbeiten und lernen können.
„Der Bilderbuchbauernhof mit Misthaufen vor der Tür ist heute keine Realität mehr. Wir wollen zeigen, was Landwirtschaft heute bedeutet“, sagt er. Dazu gehört auch, dass Kinder verstehen, dass aus einem Schwein irgendwann ein Schnitzel wird – „und dass das ein ganz normaler Prozess ist“.
Das Prinzip des Bauernhofes ist eindeutig: Auf dem „Reubaho“ soll es keinen Hoftourismus geben, indem Kinder einfach nur herumgeführt werden. Sie sollen vielmehr mithelfen und dadurch Neues erfahren: lernen, dass die Kartoffeln, die auf dem Feld geerntet werden, nicht alle gleich aussehen wie im Netz im Supermarkt.
Futter zusammenstellen
„Die Kinder stehen im Vordergrund, und wir nutzen die Schätze, die ein landwirtschaftlicher Betrieb mit sich bringt“, erklärt Miriam Reummen. So können Kinder das Futter für die Kühe mit zusammenstellen, oder auch mal Wassereimer zur Vieh-Tränke schleppen, um zu sehen, „wie viel eine Kuh wirklich am Tag trinkt“. Lernen durch Anfassen.
Auf die Idee zum „Reubaho“ kam die Familie durch Freunde ihrer fünf Kinder. Die staunten, was es auf einem Hof alles zu sehen und zu tun gibt – und spielten dort, wo sie viel Platz haben, lieber als zu Hause in der Mietwohnung. Das Angebot richtet sich an kleine Kinder, die gerade erst laufen können, bis hin zu Kindern im Grundschulalter. Die Landwirtschaft wollen die Reummens erhalten, das Konzept mit dem „Reubaho“ sieht das Ehepaar als zweites Standbein.
Im April dieses Jahres hat die Familie aus wirtschaftlichen Gründen von reiner Milchwirtschaft auf Viehwirtschaft umgestellt. Für Kinder gibt es viel zu sehen: Kühe, Schafe, Schweine, zwei Pferde, Gänse und natürlich Hofhund und -Katze. In einer Scheune hat das Paar einen Toberaum mit Streu eingerichtet, dort gibt es auch eine Stroh-Tribüne, auf der Kinder sitzen können und Märchen vorgelesen bekommen. Geplant ist zudem, einen Aufenthaltsraum zu schaffen.
Grüne Kartoffeln gefunden
Die ersten Tester, die Entlassgruppe „Vorwitzige Raben“ des städtischen Kindergartens Waerderweg aus Hartefeld fanden das angebot toll. Sie buddelten, tobten und streichelten – und hatten Spaß, auf dem 2,5 Hektar großen Gelände mitzuhelfen. „Wenn man dann nebenbei Dinge erklärt, bleiben sie mehr haften“, sagt Miriam Reummen. Die Hartefelder hätten auf diese Weise auf dem Feld erfahren, warum es grüne Kartoffeln gibt – weil an diese nämlich Licht gekommen ist.
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