Gelderland: Die Wildschweine kommen
VON STEFAN KRIEGEL - zuletzt aktualisiert: 05.11.2009Gelderland (RPO). Heinz Lax befürchtet als Vorsitzender der Kreisbauernschaft Geldern eine Invasion der Wildschweine. Die Übertragung der Schweinepest und schwere Verkehrsunfälle könnten die Folgen sein. Die Jäger sollen mehr schießen.
Der Mond hat vor allem in den Herbst- und Wintermonaten eine besondere Strahlkraft. Dann bietet er allen Jägern ein helles Licht, um auf die Jagd nach den nachtaktiven Wildschweinen zu gehen.
Das rät auch Heinz Lax, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Geldern, den Waidmännern dringend an, denn die Wildschweinepopulation sei immer noch viel zu hoch.
"Die Jäger sollten die Nächte nutzen, in denen die ,Wildschweinelampe' an ist", hebt der Vorsitzende hervor. "Obwohl sogar Rekordstrecken geschossen wurden, steigt die Anzahl der Wildschweine weiter", merkt Lax an. Es seien mehr als 640 000 Schwarzkittel in Deutschland in der Jagdsaison zwischen April 2008 und März 2009 erlegt worden.
Ein Paarhufer
Das Wildschwein gehört zur Familie der echten Schweine aus der Ordnung der Paarhufer. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Art reicht von Westeuropa bis Südost-Asien, durch Einbürgerungen in Nord- und Südamerika, Australien sowie auf zahlreichen Inseln ist es heute fast weltweit verbreitet. Wildschweine sind Allesfresser und sehr anpassungsfähig. In Mitteleuropa nimmt die Population vor allem durch den vermehrten Anbau von Mais derzeit stark zu und wandern verstärkt in besiedelte Bereiche ein.
Noch nicht im Gelderland
"Wildschweine gibt es noch nicht im Gelderland", räumt der Vertreter der Landwirte ein. Doch sie verursachten bereits im Bereich Niederkrüchten / Kaldenkirchen große Schäden. Der Schritt über die A 61 sei nicht mehr groß, bemerkt Lax.
Für Landwirte stelle ein zu hoher Wildschweinebestand aus zwei Gründen ein Problem dar: Das Schwarzwild durchwühle bei der Futtersuche die Äcker und richte damit große Schäden auf den Feldern der Bauern an. Zudem könne in Regionen mit Wildschweinpest das Übertragungsrisiko der Krankheit auf die Hausschweine zur Gefahr für Schweine haltende Betriebe werden.
Aber auch für den Verbraucher würden die Schwarzkittel zum Problem: Es käme immer mehr zu Verkehrsunfällen durch Schwarzwild. Gerade in den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Futtersuche der Wildschweine mit den Rush-Hour-Zeiten der Berufstätigen zusammenfalle, würde das Problem größer, hebt der Vorsitzende der Kreisbauernschaft hervor.
Durch ein intensives Bejagen könnten sowohl Unfälle als auch Wildschäden auf Äckern und der Risikofaktor der Übertragung der Wildschweinpest reduziert werden. Die Jägerschaft habe ihre Pflicht bereits wahrgenommen, zahlreiche Wildschweine erlegt und versucht, der Überpopulation Einhalt zu gebieten, begrüßt Heinz Lax.
Die Gefahr sei aber noch nicht gebannt und das angestrebte Ziel von zwei Wildschweinen pro 100 Hektar noch lange nicht erreicht. Daher gelte jetzt: "Es gibt noch lange keinen Anlass zur Entwarnung, es muss weitergejagt werden. Alle Jäger sollten die Chance nutzen – die ‚Wildschweinelampe' ist an."
Gerhard Thomas, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, kennt das Problem. Vor allem aus den Niederlanden sickerten schon mal vereinzelt Wildschweine ins Gelderland ein. Es gebe jedoch noch keine frei laufende Population. "Die Jäger sind aufgefordert, im Rahmen der gesetzlichen Jagd- und Schonzeiten und im Einvernehmen mit dem Kreisveterinäramt sowie den Landwirtschaftsverbänden das Eindringen des Schwarzwildes zu verhindern", erklärt Thomas.
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