Geldern: Diskutieren statt nur studieren
VON KATHARINA SCHMÜLLING - zuletzt aktualisiert: 30.10.2009Geldern (RPO). In einer vierwöchigen Serie stellen RP und Wirtschaftsförderung Kreis Kleve die Hochschule Rhein-Waal vor.
Dr. Eckehardt Rathje ist Volkswirt. Er will nicht nur Theorien vermitteln, sondern auch ihre Umsetzung.Kleve Wirtschaft muss gar nicht dröge und langweilig sein. Der das sagt, muss es schließlich wissen: Dr. Eckehardt Rathje lehrt an der Hochschule Rhein-Waal Volks-, und Betriebswirtschaft, Projektmanagement, Statistik, Leadership und Business Administration. "Die Studenten haben Glück: Jetzt, nach der Wahl, werden auch in der Wirtschaft viele Werte neu überdacht, das ist ein guter Anlass, um am konkreten Beispiel Theorie und Praxis zusammen zu führen", sagt er.
Und das passiert in den Vorlesungen von Dr. Rathje nicht, indem er vor seinen Studenten steht und endlose Monologe hält. "Ich finde es interessant, mit den jungen Leuten zu diskutieren", sagt der 65-Jährige. Und er will erreichen, dass die Studierenden nicht nur Wissen anhäufen, sondern dass sie sich mit dem Gelernten auseinandersetzen. Eigentlich ist Eckehardt Rathje bereits im Ruhestand. Seine Tätigkeit als Lehrbeauftragter an der Hochschule ist allerdings ein echter Fulltime-Job. "Ich mache das einfach gerne", sagt er.
Diks zur HRW
Emmerichs Bürgermeister Diks zur Hochschule: "Die Stadt Emmerich am Rhein begrüßt die Gründung der Hochschule Rhein-Waal und gleichzeitig die Studenten, die den Campus bald mit Leben erfüllen werden. Diese Hochschulgründung wird wichtige Impulse geben für den Wirtschaftsstandort zwischen Rhein und Waal. Der viel zitierten ,Wissensgesellschaft', die wir in Zukunft benötigen, wird hier ein weiterer Baustein hinzugefügt. Diese Hochschule findet nicht nur unsere volle Zustimmung sondern auch unsere Unterstützung im Rahmen unserer Möglichkeiten."
Steuersenkungen diskutiert
Gerade an diesem Morgen erst hat er mit seinen Studenten über aktuelle Wirtschaftstheorie diskutiert. "Zu den Stichworten Umverteilung und Steuersenkung haben wir gemeinsam überlegt: Wie weit soll das gehen?". Dass jeder Student sich mal eigene Gedanken macht, ist dem Dozenten wichtig. Selbst in den "Fächern" Volkswirtschaftslehre und Statistik gilt für ihn der Grundsatz: Man kann reine Theorie vermitteln, man kann aber auch genauer hingucken, wie diese umgesetzt wird.
Dabei hilft Rathje sicher, dass er ein Mann aus der Praxis ist. Der Diplom-Volkswirt hat nach dem Studium in verschiedenen Unternehmen, vor allem in der Versicherungsbranche gearbeitet. Ein Forschungsprojekt führte ihn als wissenschaftlichen Mitarbeiter an die Uni in Ulm. Dort beschäftigte er sich unter anderem mit statistisch-mathematischen Modellen und Abläufen in Kliniken und promovierte in Humanbiologie. Danach arbeitete er in Krankenhäusern, war Vorsitzender für Nordrhein-Westfalen im Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands. "Nebenbei habe ich an der Hochschule in Mönchengladbach gelehrt", sagt Rathje.
Von Anfang an beim Projekt Neue Hochschule dabei zu sein, das hat Volkswirt Eckehardt Rathje gereizt. "In den vergangenen Jahren hat sich die Wirtschaftstheorie durch die Globalisierung verändert, ganz andere Themen sind wichtig geworden", weiß er. Die neue Hochschule sei eine Chance, auch kulturelle Aspekte in die Wirtschaftslehre einzubeziehen. "Schließlich laufen zum Beispiel Verhandlungen in Russland ganz anders ab als hier", sagt er.
Und auch darauf will er seine Studenten vorbereiten.
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