Geldern: Dönerbude statt Mensa
VON KATHARINA BOY, HANS H. FALK UND FREDERIKE HINKELMANN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012Geldern (RP). Viele Schüler gehen in der Mittagspause lieber zum Imbiss, als in der Mensa zu essen. Dabei hat die Stadt mehr als 1,6 Millionen Euro in die Schulkantinen investiert. Besonders älteren Schülern schmeckt das Essen dort nicht.
In der Mittagspause in der Mensa zu essen, ist für Tobias Kutschera, Schüler der Realschule am Westwall, keine Option. In der Schulkantine schmecke das Essen nach Wasser, "wie aufgewärmt", sagt er. Wie die meisten seiner Mitschüler stärkt sich der 15-Jährige vor dem Nachmittagsunterricht lieber beim Imbiss.
Meistens geht Tobias in den Dönerimbiss "Arslan" an der Bahnhofstraße oder zum Imbiss "Der Holländer" am Gelderner Markt. Weitere beliebte Treffpunkte zur Mittagszeit sind die China-Restaurants am Bahnhof und im Kaufland sowie "McDonald's" an der Weseler-Straße, wie sich bei einer nicht repräsentativen Umfrage der Rheinischen Post unter Schülern verschiedener Schulformen ergab.
Die Lieferanten
Lise-Meitner-Gymnasium Das Essen kommt aus Straelen von Fleischerei und Partyservice Borghs.
Friedrich-Spee-Gymnasium Partner ist die Diakonie, Lieferant ist Integra.
Realschule am Westwall Die Bäckerei Scholin aus Dinslaken liefert und verteilt.
Liebfrauenschule Aus Kalkar wird das Essen von 4K-Menüservice geliefert.
"Das Essen in der Mensa schmeckt nicht", ist der am häufigsten genannte Grund für die Flucht zur Mittagspause. Oder: "Man will auch mal raus." Vor allem die älteren Jahrgänge bevorzugen die Mahlzeit beim Imbiss. Im Schnitt geben die Schüler 2,50 bis fünf Euro fürs Mittagessen aus. In der Schule kostet eine Mahlzeit zwischen 2,50 Euro und 3,50 Euro.
Die Schulleiter sähen es lieber, die Schüler ließen ihr Geld in der Mensa. Mehr als 1,6 Millionen Euro sind in die sechs städtischen Mensen investiert worden.
Achim Diehr, Rektor des Lise-Meitner-Gymnasiums, sagt, er sei zwar mit der Zahl von 300 ausgegebenen Mahlzeiten pro Woche zufrieden, dennoch sei es "bedauerlich", dass nicht mehr der 1014 Schüler das Angebot nutzten. "Aber auf die Ernährungsgewohnheiten anderer haben wir auch nur bedingt Einfluss." Karl Kirchhart, Leiter des benachbarten Friedrich-Spee-Gymnasiums, gibt sich gelassen: "Wenn den Schülern Pizza oder Döner lieber sind, dann kann ich das auch nicht ändern." Mehr Werbung, als selbst in der Mensa essen zu gehen, könne er als Lehrer nicht machen.
An der Realschule am Westwall sind wegen der geringen Umsatzzahlen für Ende Februar Gespräche mit den Neunt- und Zehnklässlern geplant, erklärte gestern Schulleiter Hans-Rainer Tabke. "So kann das nicht weitergehen. Zu konkreten Zahlen sage ich jetzt lieber nichts." Seit die Schulkonferenz der Liebfrauenschule Geldern aufgrund eines Erlasses des Schulministeriums entschieden hat, es den Schülerinnen der Stufe neun und zehn freizustellen, ob sie mittags das Schulgelände verlassen dürfen, sei auch dort der Mensa-Umsatz gesunken, erklärt Rektorin Gabriele Halfmann.
So wie Schülerin Rina Blumenrath gehen nun viele Schülerinnen in der Mittagspause zum benachbarten McDonald's. "Da schmeckt's besser."
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