Geldern: Drache im Domizil
VON MICHAEL KLATT - zuletzt aktualisiert: 18.02.2009Geldern (RPO). In Einzelteile zerlegt, lagert die monumentale Skulptur in einer Halle am ehemaligen Güterbahnhofgelände. Das kann allerdings nur eine Zwischenstation sein, meint Bojan Momtschilow, der sich für das Kunstwerk einsetzt.
Der Körper sieht aus, als sei er gerade von den sagenhaften Helden Wichard und Lupold niedergemetzelt worden. Köpfe und Schwanz sind vom Rumpf getrennt und liegen zehn Meter von ihm entfernt. Zwei große Löcher klaffen in der Brust. Was das vorzeitige Ende der großen Drachen-Skulptur zu sein scheint, ist der Schwebezustand des unfertigen Kunstwerks. Es ist jetzt in einer Halle am ehemaligen Güterbahnhofgelände untergebracht.
Schäden an der Brust
Damit ist ein Problem um die monumentale Figur gelöst. Wie berichtet, stand sie zuvor in einer Halle der Integra, die von der gemeinnützigen Gesellschaft aber dringend für andere Arbeiten benötigt wird. Bis Ende Januar sollte die Halle geräumt sein. Vorgestern wurde der Drache auf einen Lastzug verladen und quer durch die Stadt zum neuen Domizil transportiert. Die Schäden an der Brust entstanden durch die Stahlforken eines Gabelstaplers.
Monumentalmaße
Ausmaße Die dreiköpfige Drachen-Skulptur ist 6,20 Meter lang, 4,10 Meter hoch und 3,80 Meter breit; sie wiegt insgesamt zweieinhalb Tonnen.
Rechtsstreit Die Künstlerin hat eine Anwaltskanzlei eingeschaltet. Sie pocht auf ihr Urheberrecht und will erreichen, dass die Skulptur in einem Stück aufgestellt wird.
Standort Wo die Drachen-Skulptur aufgestellt wird, steht noch nicht fest.
Bojan Momtschilow, dessen Exfrau Irina Weltschewa-Momtschilowa die Drachenfigur anfertigte und zum Schutz ihrer Urheberrechte Anwälte eingeschaltet hat, ist zunächst mal froh über das Erreichte. Er setzt sich bekanntlich dafür ein, dass die Skulptur fertig gestellt wird und als Ganzes seinen Platz im Stadtbild findet. Moralische Unterstützung erhielt er durch die mehr als 200 Unterschriften, die er für das Kunstwerk gesammelt hat. Tatkräftige Hilfe beim Transport bekam er durch die Firma Michels, auch die Integra habe sich kooperativ gezeigt. Hubertus Deselaers stellt die Halle zur Verfügung.
Doch die kann nur Zwischenstation sein. Es gibt keinen Strom, damit auch kein Licht und keine Heizung. "Das ist nur zum Lagern, aber kein Atelier, in dem ein Künstler arbeiten kann", beschreibt Momtschilow die Situation. Außerdem werde die Halle in drei Monaten voller Kartoffeln und Stroh sein. Spätestens dann also müssten die Drachenteile raus.
Hier setzt der Bulgare erneut auf die Initiative Gelderner Privatleute. Mit einigen Bauunternehmern steht er schon in Kontakt. Enttäuscht zeigt er sich über die mangelnde Unterstützung von Rat und Verwaltung. "Das ist eine merkwürdige Zurückhaltung", kritisiert er. Alleine Marianne Ingenstau von der CDU habe sich um das Thema gekümmert. Bürgermeister Ulrich Janssen sieht die Stadt unter anderem deshalb außen vor, weil es sich nicht um einen städtischen Auftrag handle. Mit rund zwei Monaten "Bauzeit" bis zur fertigen Plastik rechnet Momtschilow. Voraussetzung sei allerdings neben einem geeigneten Raum, dass die Materialien wie Glasfaserstoff und Epoxidharz bereitstünden. Momtschilow: "Das ist alles schon gekauft und liegt noch bei Integra."
"Ja, das lagert bei uns und ist auch unser Eigentum", teilte Integra-Geschäftsführer Peter Schönrock gestern mit. Auf sein Angebot, das Material für 6000 Euro zu kaufen, hätten Weltschewas Anwälte bisher nicht geantwortet. Zudem seien noch 80 Säcke mit Schaumstoffabfällen da, für die 500 Euro Entsorgungskosten anfielen.
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