Geldern: DSL bleibt langsam
VON WILJO KRECHTING - zuletzt aktualisiert: 22.07.2009Geldern (RPO). In Außenbezirken wie Kapellen gibt es noch immer keine Glasfaserkabel, weshalb Surfen im Internet nur mit geringer Geschwindigkeit möglich ist. Der Telekom ist ein Ausbau noch zu teuer, es sei denn Geldern beteiligt sich.
Wenn Karl-Heinz Lamche zuhause im Internet surft, dauert es minutenlang, bis sich eine Seite aufbaut. "Die langsame Verbindung ist besonders ein Problem, wenn ich Fotos per E-Mail versenden möchte", klagt der Rentner. Lamche wohnt in Kapellen und steht mit seiner langsamen Internetverbindung stellvertretend für viele Bewohner der Ortschaft.
SPD-Ratsmitglied Wilfried Molderings hatte bereits im Januar 2007 im Rat der Stadt Geldern einen schnellen Internetanschluss für Kapellen gefordert und damals bei verschiedenen Internetprovidern versucht, für seine Sache zu werben. Doch passiert ist seitdem nichts. "Das liegt daran, dass wir in einigen ,weißen Zonen' in Deutschland noch keine Glasfaserleitungen verlegt haben", erklärt André Hofmann, Pressesprecher bei der Telekom.
Zum Thema DSL
DSL oder "Digital Subscriber Line" bedeutet digitaler Teilnehmeranschluss und bezeichnet eine Form der Übertragung, mit der Daten mit einem Tempo bis zu 500 Mbit/s gesendet und empfangen werden können. Es ermöglicht einen breit gefächerten Internetzugang. Die Anbindung erfolgt meistens über die Telefonleitung, weshalb keine speziellen Kabel für den DSL-Anschluss verlegt werden müssen.
Ausbau bis 2010
In Deutschland gibt es zurzeit noch 600 Gemeinden mit 730 000 Haushalten, die noch nicht von Glasfasern profitieren. Doch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat versprochen, dass bis 2010 alle Haushalte mit mindestens 1000 Kbit pro Sekunde im Internet unterwegs sein können. Zum Vergleich: Karl-Heinz Lamche surft zurzeit mit einem Drittel der Geschwindigkeit.
Mehr noch als die Haushalte ist die lokale Wirtschaft von dem Thema betroffen. "Wir waren früher im Industriegebiet an der Weseler Straße angesiedelt. Die vielen Unterbrechungen in der Verbindung dort haben uns regelmäßig in den Wahnsinn getrieben", sagt Joachim Steeger, Geschäftsführer der Gelderner Internetagentur Screenwork. Der Internetdienstleister ist auf eine schnelle Verbindung angewiesen.
Nun, da das Unternehmen in die Innenstadt gezogen ist, kann es eine 16 000 Kbit-Verbindung nutzen. Doch ein Umzug kann dabei keine Lösung sein. Warum die Telekom sich beim Ausbau der Infrastruktur auf dem Land Zeit lässt, hat vor allem wirtschaftliche Gründe: "Ein Kilometer Glasfaserkabel kostet 50 000 Euro. Wir sind ein privatwirtschaftliches Unternehmen und müssen entsprechend kalkulieren", sagt André Hofmann. Glasfaserkabel könne das Unternehmen deshalb nur schrittweise verlegen. "Wir haben 2008 rund 100 Millionen Euro darin investiert", so Hofmann. Der Pressesprecher gibt jedoch zu bedenken, dass die Telekom mit einem Marktanteil von 50 Prozent sich nicht wie selbstverständlich um 100 Prozent des Netzausbaus kümmern sollte. "Die Kommunen könnten sich durch die Abnahme der Tiefbbauarbeiten auch beteiligen", so Hofmann.
Dazu Gelderns Stadtpressesprecher Herbert van Stephoudt: "Natürlich ist es wünschenswert, wenn jeder in den Genuss eines schnellen Anschlusses kommt. Eine Beteiligung der Stadt müsste jedoch erst mit in die Haushaltsverhandlungen genommen werden." Bis dahin muss Karl-Heinz Lamche sich neben zig anderen mit einer langsamen Verbindung begnügen.
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