Geldern: Elektroauto: RP-Test in Geldern
VON MICHAEL KLATT - zuletzt aktualisiert: 14.01.2012Geldern (RP). Die hohen Benzin- und Dieselpreise bedeuten Rückenwind für alternative Kraftfahrzeugantriebe, meinen Experten. RP-Redakteur Michael Klatt war einen Tag unterwegs mit einem Elektroauto.
Die Abkürzung ist, marketingtechnisch gesehen, vielleicht ein wenig unglücklich. "MiEV" steht auf dem Heck des hellblauen Autos mit den geschwungenen grünen Streifen. Aber Mief erzeugt er ja eben nicht, der Wagen japanischer Herkunft. Er fährt abgasfrei, elektrisch. Immer höhere Spritpreise lassen Experten Vehikeln mit alternativen Antrieben bessere Marktchancen einräumen. Die RP machte den Test: Wie fährt sich solch ein Elektroauto? Die Stadtwerke Geldern besorgten zu diesem Zweck einen Mitsubishi MiEV von RWE aus Essen.
An der RWE-Säule im Parkhaus am Gelderner Südwall wurde er über Nacht aufgeladen. Arno Nothen, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke, übernimmt die Einweisung. Die Besonderheiten der Armaturentafel werden sichtbar, wird der Zündschlüssel bis zum Anschlag gedreht. Ein grünes "Ready" leuchtet auf. Oben rechts ist eine "88" zu lesen – die Kilometer, die mit der Batterie zu schaffen sind. Wenige Minuten erklärt Nothen das Automatikgetriebe und E-Mobil-spezifische Details. Die Reichweitenanzeige sinkt derweil auf "86". Denn mit dem grünen "Ready" ist der Mitsubishi angeschaltet. Was man – nicht hört. Der Wagen bewegt sich lautlos über die Straßen, weshalb Nothen vorsichtshalber die Funktionsweise der Hupe erläutert. Man kann nie wissen.
Wo man aufladen kann
Auto Der MiEV (Mitsubishi Innovative Electric Vehicle) ist seit vergangenem Jahr im Handel und kostet 34 990 Euro.
Tankstellen Standorte der RWE Smart Station in der Region befinden sich in Alpen, Rathausstraße 5 (zwei Ladepunkte), Duisburg, Hochstraße 175 (zwei Ladepunkte), Geldern, Markt 25 (zwei Ladepunkte), Grevenbroich, Elfgener Dorfstraße 7 (zwei Ladepunkte),
Mönchengladbach, Europaplatz (zwei Ladepunkte) und Straelen, Ostwall 8 (zwei Ladepunkte).
"Der Kleine ist flott." Mit diesem Satz Nothens im Ohr geht's auf die Landstraße Richtung Sevelen. Das "Gaspedal" durchgetreten, das Beschleunigen geht nicht übermäßig zügig. Als die digitale Anzeige sich Tempo 100 nähert, wischt die Nadel auf der Skala für sparsame Fahrweise ganz schnell aus dem grünen "Eco"-Bereich. Die Folge fürs flotte Fahren: In Sevelen ist die Reichweite auf 71 Kilometer gesunken.
"Der ist knuffig", meint die Bekannte. Über Issum geht's zum Aldi-Parkplatz in Geldern. Reichweite: 54 Kilometer. Nach gut 90 Minuten fällt dem E-Chauffeur auf, wie viel Krach die Verbrennungsmotoren machen. Umsteigen auf Elektro will keiner der befragten Autofahrer. "Noch sehr teuer, zu wenig Ladestationen, nur für Kurzstrecken", urteilt Christel Goergen aus Alpen. 70 Kilometer muss Marcel Krott aus Issum zur Arbeit. Deshalb ist ein E-Auto für ihn keine Alternative. "Die Batterien müssten für 500 bis 600 Kilometer reichen." Immerhin für "überlegenswert" hält Elisabeth Pieper aus Kervenheim solch ein Auto. Ihr Eindruck: Man arbeitet stark an einer Verbesserung.
Sohnemann, den Vater generös zu dessen Job-Stelle in der Innenstadt bringt, ist hin und weg: "Voll fett, wie leise der ist." Wieder zurück vor der Haustür, ist die Reichweite auf 47 Kilometer gesunken. Eine abendliche Spritztour nach Nieukerk und zurück nach Geldern endet bei "18". Zeit zum Auftanken.
Rückwärts an die Ladesäule im Südwall-Parkhaus. "Das Kabel erst ins Auto, dann in die Säule", wird Nothens Rat vom Morgen beherzigt. Das blaue Lämpchen an der Säule will erstmal nicht leuchten. Irgendwas stimmt mit der Arretierung des Anschlusses nicht. Noch mal entkoppeln und die auf der Säule notierte Reihenfolge beachten. Beim zweiten Versuch leuchtet's dann blau. Die Batterie wird geladen.
Das Fazit der Testfahrt im Gelderland: Schön über die Straße geglitten. Doch zum jederzeit einsetzbaren Fahrzeug fehlt's noch.
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