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Geldern: Fahrkarte mit Zwangsabgabe

VON CHRISTIAN BREUER - zuletzt aktualisiert: 17.06.2011

Geldern (RP). Kommendes Jahr soll in Geldern das "Schoko-Ticket" für Schüler eingeführt werden. In Politik und Verwaltung regt sich Unmut, weil damit eine Freizeitkarte verbunden ist, für die Eltern rund 140 Euro im Jahr zahlen müssen.

Am Gelderner Marktplatz steigen an jedem Schultag tausende von Schülern in die Busse.  Foto:  Seybert
Am Gelderner Marktplatz steigen an jedem Schultag tausende von Schülern in die Busse. Foto: Seybert

"Das Schoko-Ticket klingt süß" – unter anderem mit diesem Satz wirbt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) für ein Ticket-Modell, das mit Beginn des kommenden Jahres auch in Geldern eingeführt werden soll. Auch wenn der Name "süß" klingt, hat es doch zumindest für Bürgermeister Ulrich Janssen einen bitteren Beigeschmack. Denn die Eltern von Schülern, die so weit von der Schule weg wohnen, dass sie Anspruch auf kostenlose Beförderung haben, müssen ab der Einführung des neuen Tickets draufzahlen.

Derzeit haben rund 2500 Schüler Anspruch auf kostenlose Beförderung, bis zum Schuljahr 2013/14 wird die Zahl auf etwa 2300 sinken. Sie bekommen eine Fahrkarte, die der Schulträger, also die Stadt, zur Verfügung stellt und die für Fahrten zur Schule und zurück gilt. Für 6,50 Euro gibt es als Zusatzoption eine Freizeitkarte, die an allen Tagen mit Ausnahme des Hauptmonats der Sommerferien gilt. Die Zusatzoption ist freiwillig.

Info

Zwei Tarifräume

Das Schoko-Ticket gilt in einem von zwei VRR-Tarifräumen. Die Region Nord umfass die Kreise Kleve und Wesel sowie Duisburg, Krefeld und Oberhausen. Die Region Süd die südlichen Kommunen der Kreise Kleve und Wesel sowie das VRR-Gebiet, das bis Unna, Solingen und Nettetal reicht. Das Ticket gilt für alle Transportmittel im öffentlichen Personennahverkehr, also Busse, Bahnen, S- und U-Bahnen.

11,60 Euro monatlich

Nicht so beim Schoko-Ticket: Das gibt es nur inklusive einer Freizeitnutzung, und dafür müssen die Eltern bezahlen. 11,60 Euro im Monat für Sekundarschüler, sechs Euro für Grundschüler oder das zweite Kind einer Familie. Im Jahr schlägt das für auf eine Familie bei einem Kind mit 139,20 Euro zu Buche, bei zwei Kindern mit 211,20 Euro.

Für Familien sei das "durchaus eine Belastung", sagt Janssen. Ihn störe der Zwang, das Freizeit-Ticket abonnieren zu müssen, ob es nun genutzt werde oder nicht. Im Schulausschuss hatte ein VRR-Vertreter mit der hohen Akzeptanz des Tickets im Ruhrgebiet geworben. "Aber hier im ländlichen Raum ist die Situation anders", sagt Schulamtsleiter Helmut Holla, "das ist relativ unzulänglich geregelt.

Grundsätzlich, sagen Janssen und Holla, sei das Ticket schon attraktiv, insbesondere für Schüler, die keinen Anspruch auf kostenlose Beförderung haben. Wollen sie trotzdem ein Ticket, zahlen sie in der zweiten Preisstufe 80,60 Euro im Monat, das Schoko-Ticket, das keine Preisstufen unterscheidet, kostet 28,70 Euro.

"Keine Wahlfreiheit"

Doch Janssen geht es ums Prinzip. "Es gibt keine Wahlfreiheit", wettert er, "deshalb ist es eine zwangsverordnete Abgabe. Dadurch wird faktisch vereitelt, dass Schüler kostenlos zur Schule und zurück nach Hause fahren können."

Zwar sei die Stadt noch in Verhandlungen mit dem VRR, sagt Holla, doch Janssen gibt sich keinen Illusionen hin: "Ich werde den VRR nicht ändern können."

 

Quelle: RP/jul


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