Gelderland: FDP jubiliert – der Rest notiert
VON MICHAEL KLATT UND CORINNA KUHS - zuletzt aktualisiert: 28.09.2009Gelderland (RPO). In den Kommunen des Gelderlandes freuen sich die Liberalen über Stimmenzuwachs. Christdemokraten halten ihre Klientel für unzureichend mobilisiert. Die SPD sieht in der Opposition die Chance zur Erneuerung.
Für die Fernsehbilder aus Berlin, die im Bürgerforum auf die Großleinwand projiziert wurden, hatte Gelderns Bürgermeister Ulrich Janssen (CDU) kaum einen Blick übrig. Er notierte akribisch die Ergebnisse in den einzelnen Stimmbezirken der Stadt – und stellte der Gelderner CDU am Ende kein gutes Zeugnis aus.
Nicht nur, weil das CDU-Abschneiden 5,32 Prozentpunkte unter dem der Bundestagswahl vor vier Jahren lag, sondern auch, weil Ronald Pofallas Erststimmenresultat deutlich besser war als das Zweitstimmenergebnis der CDU. "Die SPD hat ihre Klientel deutlich besser motiviert als die CDU", urteilte Janssen. Im Kreis Kleve fuhr die Gelderner CDU die größten Verluste für die Christdemokraten ein,
SPD-Parteichef Hermann-Josef Eicker tröstete nur bedingt, "wie gut wir kommunal da stehen". Er bedauerte die niedrige Wahlbeteiligung. "Traditionell bleiben dann eher die SPD-Wähler zu Hause." Für die SPD sieht er in der Opposition eine Chance. Ohne Regierungsverantwortung und Koalitionsrücksichten könne sie ihre Position nun prononcierter und befreiter entwickeln. "Das wird möglicherweise als linker verstanden", sagte er. Das habe aber nichts mit einer Annäherung an die Linke zu tun.
Der scheidende FDP-Fraktionsvorsitzende Stefan Bellgardt jubelte über das Ergebnis. "Es ist klasse, dass Schwarz-Rot endlich abgewählt ist, das war für Deutschland längst überfällig." Befürchtungen von Bürgern, mit der FDP in der Regierung halte die soziale Kälte Einzug, wies er zurück. "Wer so etwas behauptet, weiß nicht, wovon er spricht."
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Auch in Straelen war – wie überall im Kreis – vor allem den Liberalen die gute Laune anzumerken. Straelens FDP-Fraktionschef Michael Traurig war begeistert, als die FDP in der Blumenstadt mit 18,38 Prozent an der SPD (16,79 Prozent) vorbeizog. "Ich find's einfach nur toll!" Er hatte es "gehofft, aber nicht damit gerechnet", wie er sagte. Das bewies seine Abendplanung: "Wir werden feiern." Nur das Wo und Wie war noch nicht geklärt: Es hatte schlicht niemand einen so deutlichen Vorsprung eingeplant, und daher war nichts vorbereitet. Falko Schuster, SPD-Fraktionsvorsitzender, fand das Resultat hingegen "für uns unerfreulich".
Dass die SPD bei der Bundestagswahl hinter die FDP rutscht, sieht Schuster als Zeichen dafür, dass die "Bundespolitik der SPD offenbar stärker kritisiert wird als die kommunale". Bei der Kommunalwahl hatte die SPD noch vor der FDP gelegen. Die neue Rolle als Opposition im Bund sieht Schuster auch als Chance für die Sozialdemokraten, sich neu aufzustellen.
Brigitte Viefers, FDP-Fraktionsvorsitzende in Issum, kommentierte den Zweitstimmengewinn der Liberalen von 6,52 Prozent mit "ich bin einfach happy". Die gute sachliche Arbeit der FDP sei honoriert worden, das Bundesergebnis sorge auch kommunal für Rückenwind. Schrecklich findet sie den Zuwachs für die Linken. Ihre Erklärung: "Manche jungen Leute informieren sich nicht richtig, die sind einfach frustig."
Wachtendonks Bürgermeister Udo Rosenkranz (CDU) vermutet den relativ hohen Stimmenverlust der CDU in einem "schon immer starken liberalen Potenzial" in der Gemeinde. Auch seien viele, die mit der Großen Koalition unzufrieden sind, zur FDP gegangen.
Manfred Körfer, SPD-Fraktionsvorsitzender in Kerken, nennt das Abschneiden seiner Partei betrüblich, sieht andererseits für sie die Chance, in der Opposition zu sich zu finden. "Als Demokrat sage ich: Die Leute wollten Schwarz-Gelb, das ist in Ordnung."
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