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Straelen: Frostige Stimmung bei Bofrost?

VON LUTZ KÜPPERS - zuletzt aktualisiert: 04.02.2012

Straelen (RP). Verdi macht im Netz Stimmung gegen den Tiefkühl-Giganten. Sie wirft Beirat Dr. Thomas Stoffmehl Bespitzelung der Betriebsrats-PCs und Einschüchterung der Mitarbeiter vor. Der wehrt sich und spricht von Einzelfällen.

Bofrost in Straelen.  Foto:  seyb
Bofrost in Straelen. Foto: seyb

Der Slogan ist typisch für Verdi: "Für Klimaerwärmung bei Bofrost" titelt die Dienstleistungsgewerkschaft gewohnt offensiv auf einer Postkarte, die jetzt im Internet auftauchte. Adressat: Dr. Thomas Stoffmehl, Beirat und starker Mann bei Bofrost sowie Unternehmenssprecher. Die Zeilen der Postkarte, die ausgedruckt und unterschrieben zum Unternehmenssitz nach Straelen geschickt werden könnten, haben es dabei in sich.

Zitat: "(. . .) als zuständiger Beirat sind Sie für den fairen Umgang mit den Beschäftigten und Betriebsräten (. . .) verantwortlich. (. . .) Unterbinden Sie künftig jedes Ausspionieren der Betriebsrats-Computer. Sorgen Sie für einen Verzicht auf einschüchternde Mitarbeitergespräche (. . .). Nehmen Sie die Klagen gegen die Betriebsräte zurück. (. . .)

Info

Betrieb im Wandel

Gerade die älteren Mitarbeiter täten sich mit notwendigen Veränderungen schwer, sieht Stoffmehl einen Grund für Unmut bei manchen Kollegen.

Doch diese Veränderungen seien notwendig, um das gut aufgestellte Unternehmen auch fit für die Zukunft zu machen, so der Unternehmenssprecher weiter.

Hintergrund der Aktion, zu der sich der Betriebsrat nicht äußert, ist ein schon länger währender Streit zwischen Betriebsrat und dem mächtigen Beirat um das verschlechterte Klima. Hinter vorgehaltener Hand wird von Kündigungsklagen gegen Mitarbeiter berichtet, während auf der anderen Seite gleich wieder neu eingestellt werden soll. "Viele sollen mundtot gemacht werden, einfach nur funktionieren und parieren, sonst wird man ausgetauscht", berichtet ein Kollege, der seinen Namen und den seiner Mitstreiter nicht in der RP sehen will.

Auch von dem Versuch, die Gehälter von 100 Malochern im Tiefkühllager von 2600 Euro auf 1800 Euro zu kürzen, ist die Rede. Und eben von dem "angezapften" Betriebsrats-Computer, der die Gerichte beschäftigte. Wobei beide Parteien behaupten, das Verfahren gewonnen zu haben. Erstaunlicherweise.

So sieht die Vorderseite der Postkarte aus, die im Internet ausgedruckt und dann abgeschickt werden kann. Foto: seyb

Dr. Thomas Stoffmehl, der mit Gründersohn Michael Boquoi den Beirat bildet, nimmt auf RP-Anfrage kein Blatt vor den Mund. "Wir reden hier von Einzelfällen. Grundsätzlich haben wir ein gutes Verhältnis zum Betriebsrat", sagt der Unternehmenssprecher, der zugibt, das es Verfahren gegen das Gremium gibt. "Wir wollen grundsätzlich wissen, was der Betriebsrat darf und was nicht", erklärt Stoffmehl weiter.

So habe das Gremium laut Stoffmehl beim Streik in Straelen 2009 eine Art Streikbüro auf dem Gelände eingerichtet. Was den Chefs natürlich gar nicht gefallen haben dürfte. Und was den Betriebsrats-PC angeht: Laut Stoffmehl war der Beirat berechtigt, eine Datenrückverfolgung auf dem Rechner einzuleiten. Weil der Betriebsrat eine "rechtliche Ausarbeitung" auf dem Rechner gemacht habe, zu der er während der Arbeitszeit nicht berechtigt gewesen sei. Was für den Unternehmenssprecher ein klarer Fall von Arbeitszeitbetrug ist.

Zu den Lohnkürzungen für die Arbeiter im Lager erklärt Stoffmehl, dass deren Gehälter bis zu 50 Prozent über den marktüblichen Zahlungen gelegen hätten.

Laut RP-Informationen hat man sich aber mit dem Betriebsrat auf eine Kürzung von 250 statt der geforderten 800 Euro pro Monat und Mann geeinigt.

Quelle: RP


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