Geldern: Für fünf Euro und Likör 21 Monate hinter Gitter
VON STEFAN KLÜTTERMANN - zuletzt aktualisiert: 20.02.2008Geldern (RPO). Das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Geldern hat gestern einen 23-jährigen Kevelaerer wegen gemeinschaftlichen Diebstahls mit Waffen und räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Gegen einen 18-jährigen Kerkener verhängt das Gericht wegen desselben Diebstahls und Schwarzfahrens in zwei Fällen zwei Wochen Jugendarrest, 150 Sozialstunden und einem Anti-Aggressionskurs.
Am 25. Juli vergangenen Jahres hatten die beiden Angeklagten gegen 20 Uhr den Kaufland-Markt in Geldern betreten und eine Likörflasche gestohlen. Der Ladendetektiv beobachtete die Tat und stellte das Duo. Bei der Durchsuchung durch die herbeigerufenen Polizei stellte sich heraus, dass beide Pfefferspray und der Kerkener sogar einen Teleskop-Schlagstock mit sich führten.
Hitlergruß und „Sieg Heil“-Rufe
Einen Tag später, gegen 23.45 Uhr hielten sich beide am Bahnhof Aldekerk auf, wo der mehrfach vorbestrafte Kevelaerer unter Alkoholeinfluss zwei Schüler bedrohte, einen von ihnen schlug und sie zwang ihm ihr Geld auszuhändigen. Schließlich hatte eines der Opfer ihm fünf Euro ausgehändigt. Zuvor war der 23-Jährige aus der Neonazi-Szene schon durch Randale im Zug aufgefallen, im Aldekerker Bahnhof hatte er den Hitlergruß gezeigt, „Sieg heil“ gegrölt und versucht, den Zugführer zu attackieren. Der Kevelaerer, der zudem noch ein Jahr und sechs Monate aus einer früheren Verurteilung verbüßen muss, gab an, der Abbruch der Ausbildung bei der Integra sowie die Trennung von seiner Freundin hätten im Bezug auf die Taten eine Rolle gespielt. Den Mitangeklagten entlastete er in der Verhandlung vollständig. Beim Strafmaß folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft,
Zeuge mit Polizei ins Gericht
In einer „außergewöhnlichen“ Verhandlung, in der ein Zeuge erst verschlafen hatte und dann mit der Polizei vorgeladen werden musste und zudem zwei weitere Zeugen wegen unerlaubter Filmaufnahmen der Angeklagten belangt wurden, war der 18-Jährige – ebenfalls der rechten Szene zugehörig, arbeitslos und ohne Schulabschluss – zudem wegen eines Streits mit einer Gruppe linker Jugendlicher am Gelderner Busbahnhof im August 2007 angeklagt. Dort hatte er mit einem Messer bedroht. Dieser Verfahren wurde allerdings wegen der zu erwartenden Strafmaße im Diebstahlsdelikt sowie im Schwarzfahren eingestellt.
Der 18-Jährige erhält neben dem Arrest und den Sozialstunden einen Betreuungshelfer zur Seite gestellt.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


