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Gelderland: Gefährlicher Badespaß

VON SARAH DICKMANN - zuletzt aktualisiert: 09.06.2008

Gelderland (RPO). Die Sonne lockt am Wochenende ins Freibad Walbeck. Doch das Badevergnügen birgt Gefahren: Immer weniger Kinder lernen schwimmen, klagen DLRG und Sportlehrer. Eltern haben wenig Zeit, Vereine sind überlastet.

Je später Kinder Schwimmen lernen, desto schwieriger sei es, ihnen die Scheu vor dem Wasser zu nehmen. Der kleine Junge hat mit dem nassen Element keine Probleme – ganz im Gegenteil.  Foto: RPO
Je später Kinder Schwimmen lernen, desto schwieriger sei es, ihnen die Scheu vor dem Wasser zu nehmen. Der kleine Junge hat mit dem nassen Element keine Probleme – ganz im Gegenteil. Foto: RPO

Die Gefahr im Wasser lauert überall: im Freibad, im Meer und im Pool. Mehr als 100 Kinder ertrinken jährlich in Deutschland – häufig, weil sie nicht schwimmen können. „Es ist erschreckend, dass immer weniger Mädchen und Jungen schwimmen lernen“, sagt Gudrun Gierschner. Seit 30 Jahren ist sie Sportlehrerin an der Gelderner St.-Antonius-Grundschule. Die Zahl der jungen Nichtschwimmer im Unterricht wächst. „Früher gab es in jedem Jahrgang etwa eine Handvoll Mädchen und Jungen, die nicht schwimmen konnten. Heute ist es ein Drittel aller Kinder.“

Angst vor Wasser

Info

Baderegeln

Empfehlungen der DLRG: Als Nichtschwimmer nur bis zur Brust ins Wasser gehen und nur springen, wenn das Wasser tief genug und frei ist. Kraft und Können niemals überschätzen und nicht bei Gewitter schwimmen gehen. Schwimmflügel sind sinnvolle Hilfsmittel, Luftmatratzen und Gummitiere aber gefährliches Spielzeug. Unbekannte Ufer bergen Gefahren, ebenso das Meer und sumpfige Gewässer.

Früher war es gang und gäbe, dass Erstklässler vor der Einschulung das Seepferdchen machten. Heute ist das anders: Teilweise können Zehnjährige noch nicht oder nicht ausreichend schwimmen. „Manche Kinder in unseren Anfängerkursen haben Angst, Wasser ins Gesicht zu bekommen“, erzählt Henning Schmelzeisen, Vorsitzender der DLRG Geldern-Walbeck. Durch Zeitmangel wegen Berufstätigkeit und durch ein ständig wachsende Freizeitangebot sei es nicht mehr selbstverständlich, dass Eltern ihren Kindern Schwimmen beibringen. „Dabei ist es unerlässlich“, sagt Schmelzeisen. Und zwar am besten so früh wie möglich: „Je älter die Kinder sind, desto schwieriger ist es, aus ihnen gute Schwimmer zu machen.“

Schwimmmeister Bernd Croonenbrock hat im Walbecker Freibad stets ein Auge auf Kindergruppen, die allein unterwegs sind. Er mahnt: „Selbst wenn ein Kind Seepferdchen hat, ist es so, als hätte es gerade Radfahren gelernt. Allein lassen darf man es im Wasser noch nicht.“ In Walbeck sei zum Glück noch kein schlimmer Unfall geschehen. Croonenbrock hat beobachtet: „Kinder aus Walbeck können meist gut schwimmen, weil sie mit dem Freibad aufgewachsen sind. Aber vielerorts schließen die Bäder, und die Kinder haben wenig Möglichkeiten, schwimmen zu lernen.“

Der Schwimmunterricht einmal pro Woche in der Schule kann die Defizite nicht auffangen. „Wir können zwar zum Schwimmen anregen, aber Üben müssen die Kinder mit ihren Eltern“, sagt Lehrerin Gierschner. Auch die Schwimmvereine in Geldern können nicht alle jungen Nichtschwimmer trainieren. Ihre Wartelisten sind lang: Die DLRG kann das Parkbad nur einmal pro Woche mieten, und zwar von 18.45 bis 20.45 Uhr – für Kinder sehr spät. „Das sind keine optimalen Bedingungen“, sagt DLRG-ler Henning Schmelzeisen. Badleiter Michael Jochum wünscht sich, der DLRG und auch anderen Gruppen mehr Zeit bieten zu können. „Wir versuchen alles, was möglich ist. Aber wir sind vollkommen ausgelastet, und wir haben eben nur ein einziges Becken.“

Allein 17 Schulklassen, die das Bad die Woche über morgens für sich haben, muss Jochum unter einen Hut bekommen. Hinzu kommen Vereine, Taucher, Frühschwimmer und normale Badegäste. Schon seit vielen Jahren kämpft der Badleiter für ein Konzept, das die Gruppen anders verteilt und von den Stadtwerken als Träger befürwortet wird. „Aber das ist bisher an der Unvereinbarkeit der einzelnen Interessen gescheitert.“

Quelle: RP

 
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