Geldern: Gute Bücher hinter Gittern
VON VON HELMUT SCHOPMANS - zuletzt aktualisiert: 17.08.2007Geldern (RPO). Gerhard Peschers aus Aldekerk bekam eine besondere Auszeichnung. Er erhielt für die Gefangenenbücherei der JVA in Münster den Preis „Bibliothek des Jahres 2007“.
Achte Verleihung
Verleiher Gemeinsam mit der „ZEIT“-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius wird der Preis nun schon zum achten Mal verliehen.
Bewertung Die Jury hebt bei der Preisverleihung hervor, dass die Bücherei „unter ganz besonderen Bedingungen einen hervorragenden Beitrag zur Integration durch Kultur und Bildung leistet“. Sie wirke als kreativer Impulsgeber für andere Gefangenen-Bibliotheken.
aldekerk Ein „Bücherwurm“ sei er schon immer gewesen, erinnern sich die Eltern Heinrich und Irmgard Peschers auf „Ridderbeckshof“ in Aldekerk-Eyll an den etwas ungewöhnlichen Werdegang ihres Sohnes Gerhard.
Dass er nicht mit Pferd und Pflug zum Hofnachfolger taugte, erkannten sie schon früh und schickten ihn zur Bischöflichen Studienanstalt Gaesdonck, wo er das geistige Rüstzeug für seinen heutigen Beruf als Bibliothekar erhielt.
Bis dahin war es allerdings noch ein weiter Weg, und es lag auch schon mal nahe, dass der 47-jährige Diplom-Theologe die priesterliche Laufbahn eingeschlagen hätte. Aber das Interesse und die große Freude, Leiter einer kleinen Gefangenenbücherei zu werden, überwog.
Mit 30 000 Euro dotiert
Nun bekam er den Dank für sein Wirken: Der Deutsche Bibliotheksverband sprach der kleinen Gefangenenbücherei der Justizvollzugsanstalt (JVA) Münster den mit 30 000 Euro dotierten Preis „Bibliothek des Jahres 2007“ zu.
In der Endauswahl hatte sich die münsterische JVA-Bücherei gegen große Bibliotheken außerhalb von Gefängnismauern durchgesetzt – darunter so bekannte wie die Universitätsbibliothek Karlsruhe und die Stadtbibliothek München.
Beachtung fand auch die im geschlossenen Vollzug einzigartige Freihandausleihe mit einem aktuellen, vielseitigen und übersichtlichen Medienbestand.
Immerhin 80 Prozent der derzeit insgesamt 528 Häftlinge der JVA Münster kommen regelmäßig in die Bücherei. Fachleute bezeichnen das Lesen nach wie vor – noch vor dem Fernsehen – als die beliebteste Freizeitbeschäftigung in der Haftanstalt, obwohl viele Gefangene aus bildungsfernen Bevölkerungsschichten stammen. Im Durchschnitt leihen sich die Gefangenen jede Woche ein Buch aus.
Bücher in 30 Sprachen
Internationalität wird groß geschrieben. Bücher gibt es in 30 Sprachen. Darauf ist Gerhard Peschers besonders stolz und ergänzt, dass da selbst die Stadtbücherei in Münster nicht mithalten könne, mit der er einen regen Austausch pflege.
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