Geldern: Haubi liebt frischen Fisch
VON MONIKA KRIEGEL - zuletzt aktualisiert: 18.09.2009Geldern (RPO). Kein Anglerlatein: Axel Köhler aus Walbeck wollte Fische fangen und kam statt dessen mit einem Haubentaucher zurück. Noch wird "Haubi" von Hand aufgepäppelt, doch bald soll er ausgewildert werden.
Angler können bekanntlich abendfüllende Geschichten über ihre Passion erzählen. Die Story, die Axel Köhler berichtet, klingt im ersten Moment unglaublich. "Wir waren auf der Maas beim Angeln, als schlechtes Wetter uns zwang, Schutz am Uferrand zu suchen. Dort zog ein kleines Küken vor unseren Augen seine Bahnen. Hin - her, hin - her", erinnert er sich an die erste Begegnung mit seinem Schützling vor sechs Wochen. "Als das Küken total erschöpft schien, schwamm es geradewegs auf uns zu und schmiegte sich in meine ausgestreckte Hand."
Was ist das für ein Tier? Das rätselten auch die Begleiter Hannes Sandmann und Günther Michaelis. Flauschiger Körper, beige-braune Streifen am Kopf, Latschen? Kleine Fischstücke vom frischen Fang dienten dem Kleinen als "Erste Hilfe", so der Walbecker. "Man konnte zusehen, wie es zu Kräften kam, aber es war nicht mehr dazu zu bewegen, meine Hand zu verlassen." An diesem Abend brachte der Tierfreund Axel Köhler das Küken einstweilen mit nach Walbeck und setzte es in einen ausgedienten Speiskübel.
Was weiter geschieht
Schicksal Noch etwa drei Wochen, dann wird der Haubentaucher ausgewachsen sein. Axel Köhler denkt darüber nach, ihn im von ihm angemieteten Baggerloch bei Goch auszuwildern.
Wunsch Der Walbecker angelt seit zehn Jahren und hofft, "Haubi" ab und an noch einmal am Baggerloch anzutreffen.
Bei fünf Hunden, drei Pferden und Kaninchen war noch Platz für den kleinen Haubentaucher, die Internet-Recherche schnell ergab. "Haubi, wie wir ihn nennen, hat eine Behinderung. Er paddelt nicht richtig mit einem Bein. Das könnte der Grund gewesen sein, warum er den eigenen tierischen Familienanschluss verloren hatte", folgert der 46-Jährige. Der "Ersatzvater" machte sich über die Lebensweise schlau. "Haubentaucher fischen ihre Nahrung unter Wasser. Die Mutter pickt dem Jungen am Hinterkopf, um es zu animieren, nach Futter zu fischen. Also habe ich es am Hinterkopf angestupst", reagierte der Walbecker, dessen Schützling inzwischen in einem Plastik-Swimmingpool im Garten nach Ködern fischt. Ganz ungewöhnlich waren die ersten Schwimmversuche nach der Rettungsaktion.
"Ich habe Haubi ins Wasser gesetzt, und er ging unter wie ein Stein. Im Internet habe ich dann gelesen, dass Taubentaucher ihr Gefieder mit Fett aus einer Bürzeldrüse aufplustern. Ich habe dem Kleinen vorgemacht, wie es geht und inzwischen kann Haubi es alleine", schildert der Kfz-Meister das handzahme Tier, das im nahe gelegenen Teich "Mortelt" schwimmt und auf Zuruf zurück kehrt. Ein typisches Zeichen, dass Haubi hungrig sei, erkenne die Familie Köhler an einer Hautstelle am Kopf, die tiefrot leuchte. Dann sei es höchste Zeit, die Köderfische in den Swimmingpool zu transportieren, damit der Haubentaucher fischen kann.
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